Samstag, 7. Mai 2011

Ugandische Mythen II

Die Zahnfee auf Ugandisch

Ugandische Grundschulkinder haben häufig einen Hang zur Grausamkeit gegenüber allerlei Getier, das sich als wenig widerstands- bzw. verteidigungsfähig erweist. Doch es gibt eine Ausnahme, die mich zum Nachdenken anregte: nie habe ich Kinder eine lebende Ratte quälen oder einen Rattenleichnam schänden sehen. Warum werden ausgerechnet diese hier nun wirklich zahlreichen Nager nicht mit der zweifelhaften Aufmerksamkeit einer Gruppe Halbwüchsiger bedacht?
Die Antwort ist einfach: jeder Grundschüler mit halbwegs gesundem Entwicklungsstand stellt sich lieber gut mit den nacktschwänzigen Pelztierchen, schließlich erwartet er von denen in regelmäßigen Abständen eine Belohnung. Denn für jeden ausgefallenen Milchzahn bringt die „Zahnratte“, wie ich sie mal unsauber übersetzt nennen möchte, im Tausch blinkende Münzen im Werte von tausend Schilling, die zu verprassen gerne tagelang Pläne geschmiedet werden. Besser also, man verärgert die Ratte nicht zu sehr durch tätliche Angriffe auf ihre Artgenossen.
Zahnpferd?
Meinen Nachforschungen zufolge haben die Zahnratten aber entweder einen guten Draht zur Ugandischen Zentralbank oder sie sind in letzter Zeit deutlich besser genährt als man das erwarten würde. Denn mir wurde aus sicherer Quelle zugetragen, dass die Ratten im Zuge der Inflation ihre Gewinnausschüttung ebenfalls verdoppelt haben und neuerdings sogar Scheine bringen. Obwohl die sonst doch auch gerne Papier essen. Irgendwie bin ich jetzt ziemlich skeptisch geworden, ob diesem Glauben nicht viel eher eine der ugandischen Lebenswirklichkeit nähere Form der amerikanischen „Zahnfee“ zugrunde liegt, die, wie aufgeklärte Kinder westlicher Couleur wissen, ja letztlich nur von den Eltern vorgeschoben wird, um dem Nachwuchs mal was Gutes zu tun. Aber irgendwie hätte man da doch ein netteres ugandisches Tier nehmen können. Nilpferd oder so.

2 Kommentare:

  1. Aus Busogaland kann ich diesen Mythos nicht bestaetigen. Meine Nachbarkinder haben letzte Woche eine Ratte an ein Kreuz genagelt (passend zu Ostern) mit Schild "King of Rock has died. RIP." drueber.

    Vielleicht war das aber auch eher Huldigung als Qual?

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