Mittwoch, 4. Mai 2011

Ugandische Mythen I

Wenn man länger in fernen Ländern weilt, stößt man früher oder später unweigerlich auf jene Art von neumodischen Legenden, die einem zuhause gar nicht mehr auffallen. Wahrscheinlich, weil man sie entweder für so bescheuert hält, dass man keinen weiteren Gedanken an sie verschwendet, oder weil man sie in den eigenen Kanon der anerkannten Lebensumstände aufgenommen hat und sie für wahr hält.. So oder so, man wird zuhause, wenn man sich nicht regelmäßig in eine Wagenburg oder zur Semesterankneipe einer eher „wertkonservativen“ Kameradschaft verirrt, erfahrungsgemäß eher selten mit irgendwelchen abgefahrenen Verschwörungstheorien konfrontiert. Außer natürlich man verbringt seine Tage regelmäßig in Faulheit dahingestreckt auf dem Alexanderplatz, wo einem dann öfter mal irgendein religiöser Untergangsprophet vom Planeten Nasrubir über die ausgestreckten Füße fällt. Aber das ist eine andere Geschichte. In Uganda jedenfalls ist zweifellos eine ganze Fülle von sinnfreien aber spannenden Unglaublichkeiten im Umlauf, denen nachzugehen natürlich oberstes Anliegen jedes pflichtbewußten Kulturpatriarchen westlicher Prägung sein muss. Und davon will ich in Zukunft einiges berichten.

Bevölkerungsstatistik

Einsame ugandische Frau schlägt sich durch!
In Gesprächen mit gestandenen Akademikern ugandischer Abstammung stieß ich auf wahrhaftig interessante Neuigkeiten: wie im Ziegenstall Embuzi so gibt es auch im restlichen Uganda bekanntlich doppelt so viele heiratsfähige Frauen wie Männer. Klasse, folglich müsste sich das starke Geschlecht gar nicht so wirklich anstrengen um seine Gene überhaupt mal zu verbreiten. Und überhaupt: Geschlechterkampf adé! Die reine Überproduktion der Natur macht solchen gesellschaftlichen Schnick-Schnack praktisch unmöglich, weil einem die Objekte der Begierde wenn schon nicht im Dutzend dann statistisch gesehen zumindest im Pärchen nachrennen müssen, um überhaupt mal unter die Haube zu kommen. Die Emanzipation frisst ihre Kinder (oder so ähnlich!. Uganda ist also bildlich gesprochen das gelobte Land der Junggesellen, ein Paradies der männlichen Wahlfreiheit und darüberhinaus sowieso ein ganz toller Platz, die Frau fürs Leben aus einem üppigen Angebot der Weiblichkeit herauszupicken.
So schön diese Vorstellung für all die beziehungslosen Singlemänner Ugandas auch sein mag, eine echte Bestätigung für diesen weitverbreiteten Volksglauben lässt sich nirgends finden. Tritt man auf die Straße, begegnen einem sogar eher mehr Männer als Frauen, was natürlich auch der klassischen Rollenteilung (Mann – Straße / Frau - Haus) geschuldet sein könnte. Aber auch in Schulen finden sich ebensoviele Schülerinnen wie Schüler, auf allen Märkten gibt es in etwa die gleiche Anzahl von Verkäufern für Herren- wie für Damenbekleidung und auch in Supermärkten sind die Lagerfächer für Binden in etwa so zahlreich und raumgreifend wie jene für Rasierklingen.
Wen diese blumigen Tatsachen noch nicht überzeugen, der schaue sich schnöde Zahlen in der virtuellen Welt an. Weder die Weltbank noch UNICEF und noch nicht mal die CIA können irgendwelche Daten zur Verfügung stellen, die die These von der weiblichen Überzahl oder einem geheimnisvollen Männersterben irgendwie plausibel machen würden. Was, wie ich von führenden Verschwörungstheoretikern richtigerweise belehrt wurde, natürlich nicht heißt, dass es nicht der Fall ist. Sondern nur, dass es nicht gefragt/gemessen/veröffentlicht wird. Also darf man getrost weiter daran glauben, dass Uganderinnen dringender männliche Zuwanderung benötigt als andere Teile dieser Welt. Nur Beweise mag man dafür leider irgendwie nicht finden.

1 Kommentar:

  1. Wenn das mit dem entspannten Zurücklehnen für die Männer funktioniert, sollen sie doch daran glauben. Aber mit welchen "Fakten" reden sich dann die Junggesellen raus, die es ja wohl auch gibt?

    Und ist es nur eine Einzelmeinung oder eine verbreitete Ansicht, dass Moskitos wie Celine Dion klingen, b.z.w. anders herum? Und habe ich jetzt schon Teil 2 der Mythen vorweggenommen?

    Fragen über Fragen, aber das nicht nur zu Ablenkungszwecken...(Scheiß Uni und alles...)

    Morton

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