Kinderarbeit ist in Uganda ein alltägliches Übel. Man kann einfach nichts dagegen tun Ich selbst versuche beständig, mich gegen solche Praktiken zu stellen, aber es ist einfach nicht möglich. Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass diese Form der Ausbeutung, so sich sich einmal eingeschliffen hat, nur noch schwer zu ändern ist. Ich selbst bin also ebenso ein Opfer des Systems, dazu verdammt, denn Dingen ihren Lauf zu lassen. Ein Erfahrungsbericht:
| Meine drei Tagelöhner - Richard, Radjab, Kim! |
Morgens, halb sieben in meinem Slum. Ich erreiche nach kurzem Fußmarsch meinen Ziegenstall, bereit, mein Tagwerk zu beginnen - doch keine Chance, man hat schon auf mich gewartet: Kim (4) reißt mir sofort den Schlüssel zum Stall aus der Hand. Unter einem Schwall von Anweisungen seines älteren Bruders Radjab (6) öffnet er gekonnt in nur vier Minuten das Vorhängeschloss und schmeißt es vor Freude über den Erfolg gleich mal in hohem Bogen aufs Dach des Stalls. Die Ziegen sind so entsetzt, dass sie vor lauter Ablenkung das Meckern vergessen. Dafür fängt Richard (5) vor Freude an zu Quietschen. Kein Wunder, hat er doch entdeckt, dass man sich auch auf die Tür zum Stall stellen kann. Zumindest, wenn Radjab tatkräftig bei der Räuberleiter anpackt. Nachdem ich die Jungs aber zum Wasserholen geschickt habe, hab ich zwar genug Muse, die Ziegen zu beruhigen und schließlich unter Zuhilfenahme eines Kohlkopfes dazu zu bewegen, den sicheren Unterschlupf zu verlassen. Aber die Ruhe währt nur kurz, denn die Rasselbadne kommt schon mit vollen Wasserflaschen vom Tank zurück. Die Geschwister fangen dabei schon mal vorsorglich an, darüber zu streiten, wem ich jetzt wohl die Erlaubnis erteilen werde, den Stallboden zu fegen. Naturgemäß setzt sich Radjabs Erfahrung und Pflichtbewußtsein unter Zuhilfenahme eines Schwitzkastens durch. Was Kim aber nur Augenblicke später nicht davon abhält, sehr geschäftig ein paar Liter Wasser auf dem lehmigen Untergrund zu vergießen, damit die Ziegen auch was zu trinken haben. Währenddessen ergründet Richard die Funktionsweise der Stallverriegelung.
Kaum fünfzehn Minuten später kann ich die Jungs mit dem Singen von lugandischen Kinderliedern zumindest soweit ablenken, dass ich den Boden selbst bürsten darf. Aber nur, wenn ich dabei auch wie eine Ziege meckere. Radjab sucht derweilen nach dem schnellsten Weg, ein Schaufel Mist im Nachbargarten zu entsorgen. Ein sauberer Kochtopf leistet hier gute Aufbewahrungsdienste. Richard erklärt mir dann sehr stolz, dass er zum Abschluss der Aufräumarbeiten den Stall wirklich ganz allein verriegelt hat. Hab ich schon von selbst gemerkt, ich bin nämlich noch drin. Aber Kim ist ja ein erfahrener Schließer, da bin ich zwanzig Minuten später schon raus. Unmenschlich wie ich bin, wird die Extraarbeitszeit heute aber wieder mal nicht mitbezahlt. Also bleiben am Ende doch wieder nur zwei Bonbons für jeden der drei. Ich habe derweilen schonmal bezahlten Zwangsurlaub vorgeschlagen. Aber irgendwie scheint mein Luganda zu schlecht, um die Bedingungen detailiert genug auszuhandeln. Es bleibt also erstmal alles beim Alten, die Ausbeutung geht weiter. Fragt sich nur, wer hier eigentlich wen ausnimmt...
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