| "Bye Mzungu!" - "Bye schwarze Kinder!" |
Manchmal ist mein Slum ein Ort der totalen Überwachung. Was schwarzsehende Bürgerrechtler für das Internet befürchten, ist für mich auf der Straße oft schon beklemmende Realität. Ein natürliches Panoptikum, wenn man so will. Während der Begriff mal enwickelt wurde, um ein (kosten-) ideales Gefängnis zu beschreiben, das mit möglichst wenig Personal auszukommen vermag, geht es mir hier vor allem um den damit verbundenen Gedanken der Kontrolle durch permanente Beobachtung. Denn als vermutlich einziger ortsansässiger Weißer stellt man in manchen Teilen Kampalas schon allein durch seine Hautfarbe ein solches Kuriosum dar, dass ein unauffälliges Leben im Schatten der Masse praktisch unmöglich ist. Man wird einfach nie übersehen. Dazu kommt eine für enge Gemeinschaften typische geseitige Mitteilungsbedürftigkeit. Vermutlich bin ich ein ähnlich ergiebiges Klatschthema wie das Wetter oder die Wahlen. Ein jeder weiß, wann ich zur Arbeit gefahren bin und wann wieder nach hause, wann ich meine Wäsche aufgehangen oder meinen Müll heruntergebracht habe, bei welchem Laden ich am liebsten meine Cola kaufe und um welche Metzgerei ich immer einen Bogen mache. So richtig schräg wird’s dann, wenn schon Menschen meine Gewohnheiten kennen, die ich mit Sicherheit noch nie zuvor gesehen habe: der neue Imbissbesitzer um die Ecke, der genau weiß, wie ich meine Bestellung aufgebe und der neue Ananasverkäufer an der Hauptstraße, der die bestellte Frucht ungefragt aufschneidet, weil ich das immer so verlange. Im Ergebnis führe ich also ein unfreiwilliges Leben in der Öffentlichkeit, quasi als lokale Berühmtheit. Zum Glück ist die Unsitte der Autogrammjagd in Uganda nicht verbreitet, sonst würden morgen die Kinder nicht mehr nur „Bye Mzungu/Kizito!“ schreien, sondern eine dazu mit auch noch mit Stiften malträtieren. Jedenfalls tun sie das manchmal in meinen Albträumen.
Damit wäre dann auch geklärt, warum du eigentlich dort bist. Endlich ein Star!
AntwortenLöschenMartin