Samstag, 19. März 2011

Lärm

Ein malerisches Stillleben 
Ein Eindruck, den jeder bestätigen wird, der Kampala schon einmal persönlich erlebt hat, ist der sich sofort einstellende Gedanke, man sei in eine Art künstlich erzeugter Lärmbelästigungszone oder ein Testgelände für die nervigsten Geräusche der Welt eingetreten. Von wem oder zu welchem Zweck dieses Gebiet der akutischen Folter angelegt wurde, blieb mir bis jetzt zwar verborgen, aber seine Auswirkungen sind mir dafür umso klarer: es treibt den zu seinem Unglück noch nicht ganz tauben Zuhörer über kurz oder lang in den Wahnsinn, so dass er sich wohl zum ersten Mal in seinem Leben ernsthaft nach einer rechtlich anerkannten Behinderung oder zumindest vollkommen dicht schließenden Ohrpfropfen sehnt.
Als kleines Beispiel der heutige Tag: ich erwache um sechs Uhr morgens durch die dumpf hämmernde Musik meines Nachbarn, der sich für sein leider nicht schalldichtes 6 m² Domizil eine neue Soundanlage zugelegt hat. Den Vormittag über begleitet mich das herrliche Geräusch einer elektrischen Metallsäge, das mir quasi eine Gänsehaut auf dem Trommelfell verschafft. Nach Beendigung dieses vormittäglichen Eingriffs in mein Recht auf körperliche Unversehrtheit ist nun schallwellentechnisch endlich Raum für die Martinshörner und quietschenden Reifen auf der nahegelegenen Hauptstraße, deren ferne aber beständig dennoch markerschütternd laute Klänge nur gelegentlich von hohen Kratzgeräuschen unterbrochen werden, wenn mein Nachbar seine alten Töpfe mit einem Messer bearbeitet. Mit Einbruch der Dunkelheit tritt dann das anhaltende Jaulenden der Wachhunde hinzu, die jedoch bald wieder von ohrenbetäubender Popmusik aus der naheliegenden Kneipe übertönt werden. Leider hat sich mein Gehör bislang noch nicht signifikant verschlechtert, so dass mir auch weiterhin keins dieser akutischen Schmankerl entgeht. Ich wünschte nur, man könnte Ohren willentlich schließen.

3 Kommentare:

  1. Eigentlich ist das nicht so schwer ;)
    http://us.123rf.com/400wm/400/400/lienkie/lienkie0812/lienkie081200030/4044177-junge-blonde-kind-junge-blau-pfeife-blasen-w-hrend-hlding-seine-ohren-schlie-en.jpg

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  2. Ich wünsche mir auch oft, meine Ohren schließen zu können. Eigentlich meistens, wenn ich das Haus verlasse. Ich glaube, das ist das eigentlich nicht artgerechte an der Haltung von Menschen in Großstädten - die permanente akustische Belästigung. Vielleicht kommt daher diese merkwürdige Ermutigung: "Halt die Ohren steif!"

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  3. Chère Mathieu,

    besonders gefällt mir die URL des Bildes. Klassischer Internetsprech!

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