Mittwoch, 23. März 2011

Flughafen

Landung im August 2010
Aus aktuellem Anlass ein Eindruck des Flughafens Entebbe, damit sich gewisse Leute nicht verfahren. Wenn ihr hier ankommt, seid ihr genau richtig.
Ich war nur einmal in Entebbe und eigentlich ist es überhaupt nicht so typisch afrikanisch, wie es dieses Bild auf Grund von Sonnenaufgang und afrikanischer Fauna vermitteln mag. Es ist nämlich vor allem teuer. Man wird überall nach Strich und Faden beschissen, weil die Stadt der Ankunftsort für unbedarfte Ugandatouristen ohne Plan aber dafür mit viel Geld in der Tasche ist. Na gut, es gibt noch einen Zoo und einen botanischen Garten. Nichtsdestotrotz hab ich es für nötig befunden, meine Repertoire an lugandischen Verwünschungen für zu hohe Preise nochmal deutlich aufzupolieren. Vorbereitung ist alles.

Dienstag, 22. März 2011

Panoptikum

"Bye Mzungu!" - "Bye schwarze Kinder!"
Manchmal ist mein Slum ein Ort der totalen Überwachung. Was schwarzsehende Bürgerrechtler für das Internet befürchten, ist für mich auf der Straße oft schon beklemmende Realität. Ein natürliches Panoptikum, wenn man so will. Während der Begriff mal enwickelt wurde, um ein (kosten-) ideales Gefängnis zu beschreiben, das mit möglichst wenig Personal auszukommen vermag, geht es mir hier vor allem um den damit verbundenen Gedanken der Kontrolle durch permanente Beobachtung. Denn als vermutlich einziger ortsansässiger Weißer stellt man in manchen Teilen Kampalas schon allein durch seine Hautfarbe ein solches Kuriosum dar, dass ein unauffälliges Leben im Schatten der Masse praktisch unmöglich ist. Man wird einfach nie übersehen. Dazu kommt eine für enge Gemeinschaften typische geseitige Mitteilungsbedürftigkeit. Vermutlich bin ich ein ähnlich ergiebiges Klatschthema wie das Wetter oder die Wahlen. Ein jeder weiß, wann ich zur Arbeit gefahren bin und wann wieder nach hause, wann ich meine Wäsche aufgehangen oder meinen Müll heruntergebracht habe, bei welchem Laden ich am liebsten meine Cola kaufe und um welche Metzgerei ich immer einen Bogen mache. So richtig schräg wird’s dann, wenn schon Menschen meine Gewohnheiten kennen, die ich mit Sicherheit noch nie zuvor gesehen habe: der neue Imbissbesitzer um die Ecke, der genau weiß, wie ich meine Bestellung aufgebe und der neue Ananasverkäufer an der Hauptstraße, der die bestellte Frucht ungefragt aufschneidet, weil ich das immer so verlange. Im Ergebnis führe ich also ein unfreiwilliges Leben in der Öffentlichkeit, quasi als lokale Berühmtheit. Zum Glück ist die Unsitte der Autogrammjagd in Uganda nicht verbreitet, sonst würden morgen die Kinder nicht mehr nur „Bye Mzungu/Kizito!“ schreien, sondern eine dazu mit auch noch mit Stiften malträtieren. Jedenfalls tun sie das manchmal in meinen Albträumen.

Samstag, 19. März 2011

Lärm

Ein malerisches Stillleben 
Ein Eindruck, den jeder bestätigen wird, der Kampala schon einmal persönlich erlebt hat, ist der sich sofort einstellende Gedanke, man sei in eine Art künstlich erzeugter Lärmbelästigungszone oder ein Testgelände für die nervigsten Geräusche der Welt eingetreten. Von wem oder zu welchem Zweck dieses Gebiet der akutischen Folter angelegt wurde, blieb mir bis jetzt zwar verborgen, aber seine Auswirkungen sind mir dafür umso klarer: es treibt den zu seinem Unglück noch nicht ganz tauben Zuhörer über kurz oder lang in den Wahnsinn, so dass er sich wohl zum ersten Mal in seinem Leben ernsthaft nach einer rechtlich anerkannten Behinderung oder zumindest vollkommen dicht schließenden Ohrpfropfen sehnt.
Als kleines Beispiel der heutige Tag: ich erwache um sechs Uhr morgens durch die dumpf hämmernde Musik meines Nachbarn, der sich für sein leider nicht schalldichtes 6 m² Domizil eine neue Soundanlage zugelegt hat. Den Vormittag über begleitet mich das herrliche Geräusch einer elektrischen Metallsäge, das mir quasi eine Gänsehaut auf dem Trommelfell verschafft. Nach Beendigung dieses vormittäglichen Eingriffs in mein Recht auf körperliche Unversehrtheit ist nun schallwellentechnisch endlich Raum für die Martinshörner und quietschenden Reifen auf der nahegelegenen Hauptstraße, deren ferne aber beständig dennoch markerschütternd laute Klänge nur gelegentlich von hohen Kratzgeräuschen unterbrochen werden, wenn mein Nachbar seine alten Töpfe mit einem Messer bearbeitet. Mit Einbruch der Dunkelheit tritt dann das anhaltende Jaulenden der Wachhunde hinzu, die jedoch bald wieder von ohrenbetäubender Popmusik aus der naheliegenden Kneipe übertönt werden. Leider hat sich mein Gehör bislang noch nicht signifikant verschlechtert, so dass mir auch weiterhin keins dieser akutischen Schmankerl entgeht. Ich wünschte nur, man könnte Ohren willentlich schließen.

Freitag, 18. März 2011

Auf der Suche

Schön ist's, wenn was Spaß macht. Zum Beispiel die eigene Blogstatistik durchforsten und feststellen, auf welchen Wegen Menschen zu diesem Sammelwerk digitaler Publikationen gefunden haben. Dabei ist der Weg der Stammleserschaft schon relativ eindeutig: entweder man hat sich ein Lesezeichen gesetzt oder man googelt halt „ickeinuganda“ oder „ickeinugnada“ oder „Icke Uagnda“ oder so. Interessanter sind da schon die eher zufälligen Nutzer, deren Weg sie wahrscheinlich nicht immer gradlinig zu meinem Geschreibsel geführt hat. Naheliegend ist ja noch, mit der Frage „Was heißt Brot auf Luganda?“ auf meinen Blog gestoßen zu sein. Die Antwort ist übrigens „omugaati“. Von mir aus mag einen auch das Interesse an der „bürgermeisterwahl kampala“ zu mir führen – der DP-Kandidat Erias Lukwago hat übrigens den Sieg davongetragen – oder „pfingstler uganda“. Über beide Themen habe ich zumindest am Rande mal irgendwas erwähnt, glaube ich. Auch das „kugelförmige sportgerät“geht noch an. Aber spätestens bei der Suche nach „benötigte fähigkeiten für eiskunstlauf“ würde ich wohl nicht unbedingt bei einem Blog, das wahrscheinlich von einem afrikanischen Land auf dem Äquator handelt, nachsehen, was der werte Autor wohl dazu zu meinem Problem zu vermelden hat. Da liegt ja sogar die von einem umtriebigen Internetuser eingeleitete Suche nach „alte geile frauen“ bei einem Blog mit dem Namen „Icke in Uganda“ irgendwie näher. Die gibt’s hier zwar noch nicht so häufig, aber langsam bekomme ich ja einen Eindruck davon, was die Leser so wollen.

Donnerstag, 17. März 2011

Elaine

Meine beiden Schätze
 Seit nunmehr anderthalb Monaten ist Zackery nicht mehr alleiniger Herr im Haus. Die Viehzucht “Embuzi” hat weiteren Zuwachs erhalten und umfasst nun neben Zackery, fünf Monate altes Böckchen mit mittlerweile ausgeprägtem Ziegenirokesen, auch Elaine Embuzi, eine kleines, etwas scheues weißes Zieglein mit großem Appetit. Nach anfänglichen Eifersuchtsanfällen ob der geteilten Zuneigung seines Besitzers hat Zackery seine neue Mitbewohnerin mittlerweile absolut ins Herz geschlossen. Kein Morgen vergeht, an dem ich die beiden nicht nebeneinanderliegend im Stall auffinde, und auch den Tag über sind sie mehr oder weniger unzertrennlich. Da wird natürlich auch fleißig geübt, auf dass es bald mit dem Nachwuchs klappen möge...

Mittwoch, 16. März 2011

Post

Unter Einsatz meiner Freiheit aufgenommen: die verbotene Zone
Wenn man in Uganda auf Post aus der fernen Heimat wartet, hilft zuhause sitzen und auf den Briefträger lauern leider gar nicht dabei, das ersehnte Schreiben endlich zu erhalten. In Uganda gibt es zwar allerlei überflüssige Dienstleistungen, von mittelalten Frauen, die die Hauptstraße im Auftrag der Stadt mit einem Handbesen fegen über den Platzanweiser an der Taxihaltestelle bis hin zum eisernen Grundsatz jedes Supermarktbesitzers, immer mehr Mitarbeiter als Kunden in seinem Laden zu haben, und sei es nur, um die Regale zu bewachen. All das ist möglich, weil Arbeitskraft in Uganda im Überfluss vorhanden und somit billig ist. Es gibt einfach zu viele Arbeitssuchende und zu wenig vernünftige Jobs, so dass es gerne passieren kann, dass die Kassiererin vorher Jura studiert hat, der Maisverkäufer mal Entwicklungshelfer war und der Tankwart gerne Shakespeare zitiert. Lieber 2000 Schilling (ca. 65 Cent) am Tag verdient als sinnlos auf der Straße rumgehangen. Doch trotz dieses wahnsinnigen Lohndumpings scheint es sich nicht zu rentieren, die Lieferung meiner Korrespondenz frei Haus zu organisieren. Dabei wäre das doch eine  wahnsinnig sinnvolle arbeitsbeschaffende Maßnahme, die nicht nur die Lebensqualität aller fleißigen Briefschreiber nachhaltig erhöhen würde, sondern auch dem wehmütigen deutschen Alternativtouristen eine Träne der Rührung in die Augen treiben würde: "Schau mal Gabriel-Hieronimus , bei denen funktionieren die öffentlichen Einrichtungen noch. So schön könnte es sein ohne den Ausverkauf und die Privatisierung unserer Kommunen und bundeseigenen Dienstleister. Ich wette, hier würde die S-Bahn pünktlich fahren!". Aber das sind ja alles nur Wunschträume. Und so pilgere ich einmal wöchentlich zum großen Hauptpostamt und kontrolliere meine Mailbox. Vielleicht sind ja endlich die ersehnten Episteln zu finden?

Dienstag, 15. März 2011

Trockenzeit II

Stürzbäche schießen auf mich hinab
Seit drei Tagen regnet es quasi ununterbrochen, die Abwassergräben an den Hauptstraßen sind überflutet und die Slums in den Tälern zwischen den Hügeln Kampalas melden landunter. Der treue Leser wird sich erinnern: vor nicht mal einer Woche wurde die Ankündigung einer gefährlich langen Trockenzeit von mir in markigen Worten als unbedeutendes Langweilerthema abgetan. Habe ich nicht recht behalten? Regen führt in Kampala regelmäßig dazu, dass das soziale Leben komplett lahmgelegt wird. Taxis und Motorräder fahren nur sehr eingeschränkt, alle Termine werden vorsorglich abgesagt und die halbe Nation wartet mit eingezogenem Kopf unter den Markisen der kleinen Läden darauf, dass die sich anbahnende Sintflut doch noch an ihnen vorüberzieht.
Vorüberziehen tue aber nur ich und zwar auf meinem Fahrrad. Den morgendlichen Platzregen nutzend und von Dvořáks Allegro con fuoco aus der Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ befeuert brause ich durch die leeren Straßen und erfreue mich daran, dem immerwährenden Stau mit der Unterstützung höherer Mächte entronnen zu sein. Doch die Kälte macht selbst mir zu schaffen. Komplett durchnässt erreiche ich, dem Vater aus Goethes Erlkönig gleich, mit Mühe und Not das Haus, die vom Straßendreck und Abwasser säubernde Dusche schon vor Augen. Doch zu früh gefreut: draußen mag es zwar wie aus Kübeln schütten, zuhause jedoch gibt es mal wieder kein Wasser. Also doch irgendwie Trockenzeit. Wieder einmal belehrt mich die ugandische Wirklichkeit eines besseren.

Montag, 14. März 2011

Freundschaft

Vom Diktator gestiftet, dem Volk gewidmet - Gaddafi Mosque
Die Welt schaut auf Tripolis und Gaddafi. Die ganze Welt? Nein, ein kleines Land im Herzen Afrikas trotzt dem Diktat der internationalen Medienmacht. Das Ugandische Staatsfernsehen UBC berichtet zwar mit Vorliebe von neuen Mordopfern in den Slums Kampalas oder den Gewinnern wichtiger ostafrikanischer Musikpreise, leider müssen dann auch Abstriche im Nachrichtenbereich gemacht werden. Es bleibt einfach nicht genug Sendezeit um über neuere Entwicklungen in Libyen oder dem Rest Nordafrikas zu informieren. Schließlich müssen ja auch die beliebten argentinischen Daily Soaps (“Hidden Passion” etc.) pünktlich beginnen. 
Man könnte die Gründe für diese Informationssperre natürlich auch in der engen Verbindung des ugandischen Dauerpräsidenten Yoweri Museveni mit seinem Freund Mummar al Gaddafi vermuten. Obwohl es, wie manche meiner Gesprächspartner nicht müde werden zu betonen, ja schon ewig her ist, dass die beiden in der Blüte ihrer Jahre gemeinsam im Grünen Buch schmökerten und die demokratische Zukunft Afrikas am Lagerfeuer diskutierten. Und der Museveni jetzt mit den ganzen Wahlen in Uganda andere Probleme hat als Lybien. Und der Gaddafi sich auch nicht nur zum Guten verändert hat. Und dass es deshalb ziemlich weit hergeholt ist, hier gezielte Zensur von höherer Stelle zu vermuten. Aber wenn ich dann auf dem Weg in die Altstadt die Gaddafi Road hinauffahre und eines der baulich bemerkenswertesten Gebäude Ugandas, die Gaddafi Mosque (Gaddafi-Moschee) so auf dem Hügel der Altstadt stehen sehe, bekomme ich so meine Zweifel, was dieses Auseinanderdriften der beiden dicken Kumpel angeht. Freundschaft ist doch immer noch die beständigste aller Beziehungen.

Sonntag, 13. März 2011

Werbung

Möglicherweise ein Fall irreführender Produktvermarktung
Egal ob Deutschland oder Uganda: allerlei mehr oder minder sinnvolle Produkte werden den ortsansässigen Mediennutzen täglich in bunten Bildern und innovativen Sprüchen nähergebracht. Natürlich nicht, um ihnen letztlich vollkommen überflüssiges Zeug anzudrehen, sondern nur, um zu informieren, auf dass man sich endlich seines dringenden Bedürfnisses nach den bisher unbekannten aber dennoch schmerzlich vermissten Waren klar werden könne. Das funktioniert offenkundig unabhängig vom kulturellen Hintergrund in beiden Ländern ziemlich gut. 
Unterschiede treten aber spätestens dann zutage, wenn der so gewonnene potentielle Kunde auch tatsächlich versucht, des angepriesenen Gutes habhaft zu werden. Denn es vergeht kein Tag in Kampala, an dem ich nicht mit Werbung für Dinge überschüttet werde, die es hier gar nicht gibt. Und damit sind nicht nur die Plakate für freie und ergebnisoffene Wahlen gemeint. Sondern vielmehr die importierten T-Shirts, auf denen für Wohnmobile, Yogi-Tee, Staubsauger der Firma Miele oder Jägermeister geworben wird. Oder die Aufforderung einiger Banken, sich doch mal ein kostenfreies Konto zuzulegen, das aber für die 90 Prozent Ugander ohne regelmäßiges und versteuertes Einkommen niemals angelegt werden wird. Oder die Werbung für dauerhaft verfügbares, flächendeckendes mobiles Internet, das in 70 Prozent des Landes und an drei Tagen die Woche nicht funktioniert. Alles toller Kram, den man aber nicht bekommt. Wie soll man hier ein überzeugtes Konsumkind bleiben?

Samstag, 12. März 2011

Verhandlungen

Luftige Schutzkleidung ist des Bodafahrers höchstes Gut
Es wirklich zum Verzweifeln. Seit nunmehr siebeneinhalb Monaten müht man sich Tag für Tag, sich den Gepflogenheiten des Landes anzupassen. Bloß keinen Schilling zuviel ausgeben, immer verhandeln, sonst gibt dir hier niemand einen angemessenen Preis. Ob beim Tomatenkauf, der Pediküre, mit dem Tierarzt oder auf der Aussichtsplattform. Es ist immer das gleiche Spiel. Man fragt nach dem Preis, dann wird beiseitig herzhaft über das erste Angebot gelacht und dann nährt man sich dem anvisierten Ziel, welches auf Grund der irgendwie immer gleich erkannten Nichteinheimischkeit seitens des Käufers sowieso grundsätzlich höher liegt als der “echte”, d.h. niedrigst mögliche Preis, in kleineren oder größeren Schritten an. So weit, so gut. Traurig wird es eben erst, wenn man irgendwann versteht, dass es egal ist, wieviel Übung man hat, wie gut man die Landessprache beherrscht oder wie trefflich man zu argumentieren versteht. Ein bestimmtes Preisniveau werde ich nie unterschreiten. Wenn Emma mit dem Bodafahrer verhandelt, bezahlt er die Hälfte, selbst wenn ich daneben stehe (was normalerweise den Preis schon per se hebt). Ich muss es also einfach einsehen: ich werde immer nur ein relativ guter oder schlechter Feilscher bleiben. Und zwar relativ zu meiner Hautfarbe.

Freitag, 11. März 2011

Bauvorhaben

Ein typisches Restaurant in rustikalem Stil

In Uganda geht’s voran, zumindest wenn man meine Nachbarn anschaut: da wird direkt vor meiner Haustür in zwei Tagen eine Bretterbude hochgezogen, deren Zweck in der Beherbergung eines Kleinstrestaurants besteht. An sich ein gerechtfertigtes und gewöhnlich wenig Aufsehen erregendes Unterfangen, würde sich die geplante Eröffnung nicht so wahnsinnig unvorteilhaft mit dem neuen Kanalisierungsprojekt des Bauherrn überschneiden. Der hat nämlich außerdem kurzerhand beschlossen, die direkt zum geplanten Eingang der Gaststube führende Auffahrt mal eben komplett aufzureißen, um neue Abwasserrohre zu verlegen. Was den Besuchsanreiz für potentielle Gäste sowohl zugangs- als auch geruchstechnisch nicht gerade erhöht. So schön dieses Beispiel für die Großartigkeit menschlicher Schaffenskraft auch ist, es wird zweifelsohne von der nachhaltigen Bauplanung eines anderen Hausbesitzers in der näheren Umgebung getoppt. Innerhalb einer Woche haben fleißige Hände auf seinen Wunsch hin die Begrenzungsmauer seines Grundstücks Stein für Stein abgetragen. An sich ganz schön, haben die Bewohner doch nun endlich einen freien Blick auf die geschäftige Straße, welche ihren Grund und Boden passiert. Allerdings währte dieses Glück nicht allzu lang. Wenige Tage später entschloss man sich nämlich, die alten Steine wiederzuverwenden, statt sie ungenutzt herumliegen zu lassen. Nun entsteht daraus eine neue Mauer an exakt der gleichen Stelle. So sieht bestmögliche Wiederverwertung aus.

Donnerstag, 10. März 2011

Mitfahrgäste

Eine ganz normale Kampala Black Box
Mein Sitznachbar im Minibus hat sich für den Dauerbrenner “Barbie Girl” als Klingelton entschieden. Zumindest in Uganda ist das an sich nicht weiter verwunderlich, schließlich hat ja auch der Eismann “Stille Nacht” als Erkennungsmerkmal, in der Kirche werden fromme Lugandatexte zur Melodie der deutschen Nationalhymne gesungen und mein Nachbar hört seit drei Monaten die große Phil Collins Collection in Endlosschleife. Musikalische Absonderlichkeiten sind also an der Tagesordnung. Aber es entbehrt doch nicht einer gewissen Komik, dass es sich bei besagtem Fan der Ätzträllergruppe “Aqua” um einen ca. 75-jährigen Moslem mit Vollbart und weißen Kaftan handelt, der sich eben noch lautstark über die Enttraditionalisierung seiner Enkel empört hat. Ironie lässt grüßen...

Mittwoch, 9. März 2011

Trockenzeit

Vorbemerkung: Wie mir ein Teil der treuen Leserschaft schon vor einiger Zeit ans Herz gelegt hat, sollte ich eher kürzer aber dafür öfter schreiben. Zum einen, weil die Gehirne der Lesefrösche durch zu viel Text schnell und nachhaltig abgestoßen werden, zum anderen damit die durch häufige Besuche dieses Blogs bei gleichzeitiger Abwesenheit neuer Beiträge langsam arg geforderte Frustrationstoleranz auch mal wieder eine Auszeit nehmen kann. Ich werde versuchen, dem nachzukommen, aber, wie die Erfahrung allenthalben zeigt: tiefgreifende strukturelle Reformen benötigen ihre Zeit. Womit wir für heute schon beim Stichwort wären:

Trockenzeit

Wetter finde ich persönlich ja ein grottenlangweiliges Thema. Aber für den Rest der Welt ist's immer ein echter Aufreger. Nun will man auch mein Interesse wecken, in Form einer Kurznachricht:

A long dry season has been predicted. Expect shortages of food, water & pasture. Store food & water to avoid hunger. - The Office of the Prime Minister“

(Für Nichtanglophile: „ Es wurde eine lange Trockenzeit vorhergesagt. Rechnen sie mit Versorgungsengpässen für Nahrung, Wasser und Futtermittel. Lagern sie Nahrung und Wasser ein, um Hunger zu verhindern. - Das Büro des Premier Ministers“)

Sowas braute sich hier schon seit Monaten nicht mehr zusammen
  Sollte ich mir Sorgen machen? Eine kurze Inspektion beim Supermarktinder zeigt: erste Hamsterkäufer haben alle meine Lieblingskaubonbons eingesackt, die Milch kostet 200 Ugandaschilling (ca. 6 Cent) mehr und der Laden wird nur noch gefegt, nicht mehr gewischt. Ich bin trotzdem noch ganz ruhig, obwohl die ersten Auswirkungen auch zuhause schon spürbar sind: meine Dusche hat weniger Druck als zuvor, meine Wäsche ist schon nach drei Stunden trocken und Dan empfiehlt mir, dringend Kanister zu kaufen, um das kostbare Nass auch in Zukunft genießen zu können. Denn zum Glück fand ich dann auch noch die Einladung zum UNDEF Workshop „Climate Change“ in meinem Mailpostfach. Da werden die bestimmt eine Menge Lösungen für alle Folgeprobleme der Trockenzeit diskutieren (Bonbonproduktion erhöhen, Kühe züchten, Brunnen bauen). Wetter ist wirklich ein grottenlangweiliges Thema.