Montag
| Dieser Ofen ist Scheiße. |
Energiesparofen aus Kuhscheiße gebaut. Zudem erstmals althergebrachtes landwirtschaftliches Gerät (Egge) aus Eigenmotivation zur Anwendung gebracht. Danach mit der örtlichen Kräuterhexe medizinisch wertvolles Pflanzengut gesammelt und mit Mörsern zerkleinert. Antimückenöle aus natürlichen Essenzen gebraut. Fazit: Dem Ökotourismus zu huldigen ist nur was für Prenzlauer Berger Juppies auf Liegefahrrädern. Bevorzuge weiterhin Kugelgrill, Schaufeln und scharfe Messer. Muss ich mir jetzt „Eurozentrist“ in den Pass eintragen lassen?
Dienstag
| Besser als bei Wetten, dass ... |
Nachtrag: Jetzt kommt raus. Guttenberg hat alles abgeschrieben, erstaunlicherweise aber nicht bei mir. Schwerer handwerklicher Fehler. Aberkennung der Promotion ist folgerichtig unvermeidlich.
Mittwoch
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| Wer Augen hat, der lese |
Im Zuge der wenig freien, dafür aber schön unfairen Bürgermeisterwahlen gibt es Massenproteste im heimatlichen Kampala mit anschließender Militärparade. Die deutsche Botschaft hat zum Glück für diesen Fall Vorkehrungen getroffen und bereits vor Monaten über Fluchtanweisungen, Evakuierungspläne sowie sichere Frequenzen auf Kurzwellensendern informiert. Eingedenk des zwar empfohlenen aber nicht angelegten Nahrungsvorrats für zwei Wochen und des selbstverschuldeten Mangels an Campingkochern, Regenplanen, Keilriemen und Ersatzreifen im Gepäck aber gegen die Flucht ins befreundete Ausland entschieden. Stattdessen nur den sicheren Transfer zweier bekannter Rebellenziegen in den hauseigenen Fluchtbunker mittels der regierungssicheren Kommunikationskanäle des bekannten Demokratieförderers Facebook organisiert. Sicherheit geht vor.
Donnerstag
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| Mein neuer Brieffreund Y. Museveni |
Auf der Überlandfahrt von Jinja nach Kampala alle Mitreisenden durch meine Anwesenheit in Freude versetzt. Alle Straßensperren des Militärs dank vorteilhafter Hautfarbe und unverstandener Rhetorik in Rekordzeit passiert. Zudem sämtliche Gepäckkontrollen abwenden können.
Gegen Mittag eine SMS vom alten und neuen Präsidenten bekommen, der sich für meine Unterstützung bedankt. Kann mich gar nicht erinnern, ihm meine Nummer gegeben zu haben. Einzige Erklärung: der Innenminister. Hatte unser weihnachtlicher Überraschungsbesuch auf seiner Finca für mich also doch noch unangenehme Konsequenzen. Gibt er unbefugt persönliche Daten weiter? Wittere den nächsten großen Skandal. Dann Erleichterung: Der Innenminister ist im Zuge der Neubesetzung von Posten nach der Wahl erst mal weg vom Fenster. Quasi nur noch ein Ex, ein a.D., ein Nichts. Erledigt. Wie gewohnt prompte Problemlösung der Behörden in einem Land, in dem Datenschutz noch groß geschrieben wird.
Freitag
| Zwar nicht Jinja, trotzdem schön |
Zurück Richtung Jinja. Bin ich taschenkontrollsüchtig geworden? In Jinja: erst Zuckerschock durch Geburtstagstorte, dann echt koloniales Golfen am Nil. Stilecht in Latschen und mit schwarzem Caddy, der anschaulich den richtigen Schwung erklärt. Bin offenbar talentfrei. Später über Kokosnuss gestolpert und dabei den Vorteil ungeteerter Straßen entdeckt. Ruhiger Abendausklang beim Fußballschauen. Die Gruppe betrunkener Siebenjähriger stört die heimwegliche Idylle, amüsiert sich aber prächtig über meine witzigen Zaubertricks. Finde Jinja auch komisch, aber auf andere Weise.
Samstag
| Mein Nachbar räumt auf |
Auf dem Handgelenk Wäsche sauber rubbeln nervt. Sind Bettlaken wirklich existentiell notwendig? Großen Zementflatschen vom Fenster gekratzt. Der Hausausbau scheint in vollem Gange. Auch der Nachbar hat den großen Reinemachtag. Nach getaner Arbeit folgt das plastikbetriebene Freudenfeuer. Die gewonnene Holzkohle wird umweltbewußt im auch hier bekannten Energiesparofen (s.o.) verbraten. Die Erde ist gerettet.
Sonntag
Schwerer Fahrradunfall auf der morgendlichen Tour. Mein Sportbeutel voller Plastikflaschen bremst den freien Fall. Trotz Überschlag landet auch das Fahrrad sicher, nämlich auf meinem Kopf. Als Sicherheitsfanatiker aber natürlich Helm getragen. Angemessenen Applaus für artistische Großleistung mit gekonntem Abrollen erhalten. Sollte ich zum Zirkus gehen?


Beliebige Antworten auf unzählige rhetorische Fragen: Ja, ja, nein, ja, nein. Damit gewinne ich wohl keine Post. Konnte auch nichts davon googlen.
AntwortenLöschenMartin
Hmm, die gute Scheißofen-Pizza von Wagner! In Berlin ist es kalt und ein paar integrationsunwillige Bonner feiern Karneval; trotz der stillen Verachtung der Einheimischen. Du verpasst also nix. Ich warte voller Vorfreude auf deine nächsten Berichte.
AntwortenLöschenNF
...und ich sag noch: mit dem Fahrrad? Ist das nicht gefährlich? Und Du so: Nein, wenn die Armee den Verkehr regelt, ist sowieso weniger los. Man, man, man. Übrigens kann man Deine Frage nach dem Eurozentristen-Eintrag tatsächlich googeln - wird aber mit einer nur mäßig interessanten Gegenfrage belohnt. Als was wolltest Du's Dir denn überhaupt in den Pass eintragen lassen? Als Staatsangehörigkeit? Es ist schön, mal wieder was hier von Dir zu lesen.
AntwortenLöschenSon Mist, was hab ich nicht alles verpasst...ware ich doch blooooooss nicht frueher nach Kamuli (ja, KA MU LI!!!) gefahren...zu bloed
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