Mittwoch, 19. Januar 2011

ZIegenplan I: die Vorbereitung

Puh, alles voll Staub hier. Dabei wollte ich hier doch gerade eine drollige Geschichte platzieren und dickes Lob einheimsen. Na toll, jetzt muss ich erst mal wieder um ein paar treue Mitleser buhlen. Am besten mit diesem Einstand ins neue Jahr:

Ziegenplan I: die Vorbereitung

Meine Mitgläubigen werden sich erinnern: vor nicht all zu langer Zeit hatte Gott mir seinen großen Plan offenbart, indem er mir Einblick in die prachtvolle Welt der Ziegenhaltung gewährt hat. Wer bin ich also, dass ich mich meinem Herrn verschließe, zumal er mir, ähnlich wie Noah damals, geflüstert hat: „Mach dir einen Stall aus irgendwelchem Holz“ (Vgl. Gen 6, 14). Weil das ziemlich gut zu meinem Plan, mindestens einem dieser göttlichen Geschöpfe viel Zeit zu widmen, ihm Unterschlupf und regelmäßige Mahlzeiten im Austausch gegen Kurzweil zu gewähren und es letztlich vor dem Hackbeil zu bewahren, passt, sagte ich zu Gott: „Wenn's weiter nichts ist, dann fange ich mal bald an, aber nicht, dass da dann tausend verschiedene Tierarten oder so rein sollen, soviel Platz wird da nicht sein.“ Gott war auch gleich einverstanden, wahrscheinlich wollte er nur aus Nostalgie mal wieder einen der alten Sprüche loslassen.  

Fleißige Helferhände und was da noch so dranhängt
Und weil er wusste, dass ich so was anspruchsvolles mit meinen parfümierten Akademikerpatscherchen sicher nicht allein hinbekomme, hat er mir auch gleich noch ein paar versierte Freunde vorbeigeschickt, die alle nichts besseres zu tun hatten, als die wahnwitzigen Plänen ihres weißes Möchtegernpropheten in die Tat umzusetzen. Gut, ein paar kleine Änderungen am eigenhändig erstellten Bauplan hatten sie doch anzubringen (Parkdeck, Whirlpool und Folterkammer raus, dafür Tür und Boden rein), aber insgesamt einigte man sich ausgesprochen schnell auf das gemeinsame Vorgehen mittels Arbeitsteilung: ich zahle und überwache, sie arbeiten und halten mich von Unsinn ab. So nahm das Vorhaben seinen Lauf.

Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion...
Holz wurde vom nächstgelegenen Wald Baumarkt  Sägewerk besorgt, natürlich nur streng nach Maß. Allerdings hatten die Zuschneider ihres wohl gerade falsch justiert, jedenfalls war alles irgendwie beim späteren Abmessen zu kurz. Kein Problem, werden die Lücken eben größer. Dafür hatten die erstandenen Bretter eine ganz spezielle Eigenmarke, ein Geruch ähnlich dem eines mit fünfzehn Knoblauchzehen abgeriebenen, ungarischen Zwiebelsteaks vor dem Braten. Aber was soll's, wird sich schon irgendwann verflüchtigen, spätestens wenn der Ziegenurin ordentlich eingezogen ist.

Mehr zahlende Besucher als der Louvre!
Ein paar dicke Pfosten in den Boden gerammt, ein Rahmen konstruiert, Boden und Wände drangenagelt und ein optisch ansprechendes Schrägdach aus hochwertigem Rollwellblech installiert. Schon gute zwei Wochen nach Einkauf und ganzen vier Stunden Gesamtarbeitszeit wurde das Prachtstück von Stall schließlich fertiggestellt, das Richtfest wurde in der Aufregung ganz vergessen, die gemachten Photoaufnahmen sind alle ins Nirvana verschwunden und meine Kamera hat den Geist aufgegeben. Und Gott sah, dass es gut war.

Lest daher beim nächsten Mal, wie der Einzug vonstatten ging, wer nun eigentlich in diesem stalinistischen Protzbau wohnt und welche Absonderlichkeiten man als angehender Viehzüchter so über sich ergehen lassen muss.