Vorbemerkung: man beachte auch die Auflösung des Bilderrätsels in den dazugehörigen Kommentaren.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
8:04 Uhr
Ich komme im Büro an, besser: davor. Es ist abgeschlossen, nur Jaqueline* steht schon vor der Tür. Jaqueline ist die Putzkraft und gleichzeitig die Köchin und somit verantwortlich für die Größe meiner Mittagsportion. Ich bin immer ausgesprochen freundlich zu ihr. Ich rufe Cindy* an. Sie ist Mädchen für alles bei uns, ist aber leider mit dem Election Caravan in Richtung Jinja, 100 km nördlich von Kampala, unterwegs und rät mir zu warten.
8:33 Uhr
Ich erreiche endlich Ronnie*, einen unserer Buchhalter. Der hat zwar einen Schlüssel, ist aber leider gerade im 350km entfernten Mbarara, um eine Feldstudie durchzuführen. Er verspricht, Kevin*, den zweiten Buchhalter, anzurufen. Dessen Nummer habe ich nämlich nicht.
| Hinter den Kulissen... |
8:57 Uhr
Sheila*, eine der Projektmanagerinnen, kommt zum Büro. Sie hat zwar nicht die Nummer von Kevin, ruft aber Sven*, den Exekutiv Director und Chef des Büros an. Der ist zwar eigentlich im Urlaub, rückt aber nach kurzen Verhandlungen die Nummer von Kevin raus. Ich leihe mir Stühle beim Büro nebenan aus.
9:25 Uhr
Kevin ist auf dem Weg. Sein Bruder ist schwer krank und benötigt Pflege, deshalb wollte er eigentlich nicht ins Büro kommen, weil er dachte, Marco, der Programmmanager, würde das Büro öffnen. Erstens hat Marco aber gar keinen Schlüssel und zweitens ist der heute auf der Hochzeit seiner drittjüngsten Schwester und kommt folglich gar nicht ins Büro.
9:52 Uhr
Kevin kommt an und ich verteile Brötchen, die ich während der langen Wartezeit im Supermarkt erstanden habe und die nun mit bestelltem afrikanischem Tee verzehrt werden. Ich starte meine heutige Arbeit an der Website und lese erst mal vier Berichte Korrektur, bevor ich sie online stelle. Dabei muss ich sieben Wörter im Wörterbuch nachschauen, weil Sven immer wahnsinnig elaboriertes Englisch benutzt. Dann baue ich stundenlang an der Menüführung und dem Layout.
| Ein großer Sprung nach langem Marsch? |
11:23 Uhr
Ein Wahlkonvoi irgendeiner Partei passiert die Straße vor dem Büro. Die Arbeit im Büro wie auch auf der Straße steht still und es entbrennen wilde Diskussionen über die verschiedenen Präsidentschaftskandidaten. Ich tue meine Sympathie für den Kandidaten der DP kund, weil ich ich seinen Namen eingängig finde. Nur die Farbe passt irgendwie nicht.
12:22 Uhr
Chantal*, die zweite Projektmanagerin, platzt in unseren Bürobereich, bietet mir Bananenchips an, klärt mich über den besten Bäcker in Wandegeya auf, fragt mich, wie man eine Googlegroup eröffnet und zerstört zum wiederholten Male beim Versuch, die zweite Schublade meines Schreibtisches zu öffnen, deren Griff. Ich bekomme einen Lachanfall.
13:19 Uhr
Jaqueline bringt mir mein Mittagessen. Das besteht aus Omucere (Reis), Matooke (Bananenbrei), Lumonde (Süßkartoffel) und Kawo (Erbsen). Wir diskutieren vier Minuten über die richtige Kochdauer für Nudeln. Jaqueline hält acht Minuten nicht für ausreichend und veranschlagt stattdessen dreißig. Ich prophezeie ihr meine Weigerung, den so hergestellten Brei zu essen und wir einigen uns darauf, dass Nudeln nicht in den Bürospeiseplan passen. Sie zeigt mir zudem, wie man Grashüpfer frittiert.
| Aktenberge |
14:42 Uhr
Mike*, unser anderer IT-Fachmann, und Roger*, der dritte Projektmanager im Bunde, bestürmen mich gleichzeitig mit dringenden technischen Problemen unterschiedlicher Tragweite. Während Mike von mir eine Meinung zur Konfiguration des Servers verlangt, wovon ich nicht den Hauch einer Ahnung habe und das auch kundtue, will Roger von mir gezeigt bekommen, wie man bei Excel Zellen verschmelzen kann. Ich fühle mich wahnsinnig nützlich und kläre ihn dahingehend auf.
16:02 Uhr
Mein Modem fällt zum dritten Mal an diesem Tag aus, so dass ich keinen Zugriff auf die Website mehr habe. Ich beschließe, vier dringende Telefonate hinsichtlich der anstehenden Aktivitäten im Zweitjob zu führen und mir Toms neuste unglückliche Liebesgeschichte anzuhören.
17:54 Uhr
Ich bereite mich darauf vor, nach hause zu gehen. Sheila, Chantal und Roger arbeiten noch an ihren Projektanträgen. Ich hingegen werde heute noch meine Vorschlag für die Flyer nach Kawempe bringen und nehme deshalb ein Boda (Motorrad). Das ist eigentlich nur was für Lebensmüde, aber ich bin in Eile. Manchmal fühlt sich mein Aufenthalt in Uganda an wie eine Daily Soap.
* Name vom Verfasser verändert.

