Donnerstag, 16. Dezember 2010

Gute Tage, schlechte Tage

Vorbemerkung: man beachte auch die Auflösung des Bilderrätsels in den dazugehörigen Kommentaren.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

8:04 Uhr
Ich komme im Büro an, besser: davor. Es ist abgeschlossen, nur Jaqueline* steht schon vor der Tür. Jaqueline ist die Putzkraft und gleichzeitig die Köchin und somit verantwortlich für die Größe meiner Mittagsportion. Ich bin immer ausgesprochen freundlich zu ihr. Ich rufe Cindy* an. Sie ist Mädchen für alles bei uns, ist aber leider mit dem Election Caravan in Richtung Jinja, 100 km nördlich von Kampala, unterwegs und rät mir zu warten.

8:33 Uhr
Ich erreiche endlich Ronnie*, einen unserer Buchhalter. Der hat zwar einen Schlüssel, ist aber leider gera­de im 350km entfernten Mbarara, um eine Feldstudie durchzuführen. Er verspricht, Kevin*, den zweiten Buchhalter, anzurufen. Dessen Nummer habe ich nämlich nicht.

Hinter den Kulissen... 
8:57 Uhr
Sheila*, eine der Projektmanagerinnen, kommt zum Büro. Sie hat zwar nicht die Nummer von Kevin, ruft aber Sven*, den Exekutiv Director und Chef des Büros an. Der ist zwar eigentlich im Urlaub, rückt aber nach kurzen Verhandlungen die Nummer von Kevin raus. Ich leihe mir Stühle beim Büro nebenan aus.

9:25 Uhr
Kevin ist auf dem Weg. Sein Bruder ist schwer krank und benötigt Pflege, deshalb wollte er eigentlich nicht ins Büro kommen, weil er dachte, Marco, der Programmmanager, würde das Büro öffnen. Erstens hat Marco aber gar keinen Schlüssel und zweitens ist der heute auf der Hochzeit seiner drittjüngsten Schwester und kommt folglich gar nicht ins Büro.

9:52 Uhr
Kevin kommt an und ich verteile Brötchen, die ich während der langen Wartezeit im Supermarkt erstanden habe und die nun mit bestelltem afrikanischem Tee verzehrt werden. Ich starte meine heutige Arbeit an der Website und lese erst mal vier Berichte Korrektur, bevor ich sie online stelle. Dabei muss ich sieben Wörter im Wörterbuch nachschauen, weil Sven immer wahnsinnig elaboriertes Englisch benutzt. Dann baue ich stundenlang an der Menüführung und dem Layout.
Ein großer Sprung nach langem Marsch?

11:23 Uhr
Ein Wahlkonvoi irgendeiner Partei passiert die Straße vor dem Büro. Die Arbeit im Büro wie auch auf der Straße steht still und es entbrennen wilde Diskussionen über die verschiedenen Präsidentschaftskandidaten. Ich tue meine Sympathie für den Kandidaten der DP kund, weil ich ich seinen Namen eingängig finde. Nur die Farbe passt irgendwie nicht.

12:22 Uhr
Chantal*, die zweite Projektmanagerin, platzt in unseren Bürobereich, bietet mir Bananenchips an, klärt mich über den besten Bäcker in Wandegeya auf, fragt mich, wie man eine Googlegroup eröffnet und zerstört zum wiederholten Male beim Versuch, die zweite Schublade meines Schreibtisches zu öffnen, deren Griff. Ich bekomme einen Lachanfall.

13:19 Uhr
Jaqueline bringt mir mein Mittagessen. Das besteht aus Omucere (Reis), Matooke (Bananenbrei), Lumonde (Süßkartoffel) und Kawo (Erbsen). Wir diskutieren vier Minuten über die richtige Kochdauer für Nudeln. Jaqueline hält acht Minuten nicht für ausreichend und veranschlagt stattdessen dreißig. Ich prophezeie ihr meine Weigerung, den so hergestellten Brei zu essen und wir einigen uns darauf, dass Nudeln nicht in den Bürospeiseplan passen. Sie zeigt mir zudem, wie man Grashüpfer frittiert.

Aktenberge 
14:42 Uhr
Mike*, unser anderer IT-Fach­mann, und Roger*, der dritte Projektmanager im Bunde, bestürmen mich gleichzeitig mit dringenden technischen Problemen unterschiedlicher Tragweite. Während Mike von mir eine Meinung zur Konfiguration des Servers verlangt, wovon ich nicht den Hauch einer Ahnung habe und das auch kundtue, will Roger von mir gezeigt bekommen, wie man bei Excel Zellen verschmelzen kann. Ich fühle mich wahnsinnig nützlich und kläre ihn dahingehend auf.


16:02 Uhr
Mein Modem fällt zum dritten Mal an diesem Tag aus, so dass ich keinen Zugriff auf die Website mehr habe. Ich beschließe, vier dringende Telefonate hinsichtlich der anstehenden Aktivitäten im Zweitjob zu führen und mir Toms neuste unglückliche Liebesgeschichte anzuhören.

17:54 Uhr
Ich bereite mich darauf vor, nach hause zu gehen. Sheila, Chantal und Roger arbeiten noch an ihren Projektanträgen. Ich hingegen werde heute noch meine Vorschlag für die Flyer nach Kawempe bringen und nehme deshalb ein Boda (Motorrad). Das ist eigentlich nur was für Lebensmüde, aber ich bin in Eile. Manchmal fühlt sich mein Aufenthalt in Uganda an wie eine Daily Soap.

* Name vom Verfasser verändert.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Club Steak Out

Lumumba Avenue, Kampala

Every Thursday: Rock Night!

So wurde es mir zumindest mit der Absicht, mich in die Untiefen des kampalischen Nachtlebens einzuführen, vollmundig angekündigt. In meinem zwar wenig musikfixierten dennoch nicht ganz teilnahmslosen Vorstellungsvermögen formte sich eine Auswahl möglicherweise zu erwartenden Liedguts, das in seiner Zusammenstellung irgendwo zwischen Wunschdenken und einer realistischen Auswahl von wohl nicht zu vermeidendem Rock-Hit-Gedöns rangiert. Insgesamt ungefähr nach dem gleichen Motto wie bei Christiano Ronaldo im Fitnessstudio: faster, harder, stronger als alles, was gewöhnlicherweise so (in Uganda) angesagt ist.
Wie es wirklich war, wieviele meiner Voraussagen in mehr als anderthalb Stunden Beschallung wirklich eingetroffen sind, welche Perlen der jüngeren Musikgeschichte den Weg in mein Ohr gefunden haben, all das kann jetzt jeder mit nur wenigen Klicks selbst erkunden:


Warm-up

Yeah! Ray Charles lebt...
1. Bon Jovi - Livin' on a Prayer
2. Stone Temple Pilots - Interstate Love Song
3. Nickelback - How You Remind Me
4. OPM - Stash Up
5. Foreigner - Urgent
6. Survivor - Eye of the Tiger
7. Godsmack - I Stand Alone
8. Linkin Park - Breaking the Habit
9. R.E.M. - Losing My Religion

Rock it!

...und er hat dahinten was geseh... äh, "entdeckt"...
10. Queen – We will rock you!
11. Audioslave - Show me how to live
12. Collective Soul - Heavy
13. Static X - Cold
14. Creed - Higher
15. Metallica - I Disappear
16. Nirvana – Smells like teen spirit
17. Korn - Let's Get this Party Started
18. Red Hot Chili Peppers - Californication
19. Aerosmith - Livin' on the Edge
20. Papa Roach - Lifeline
21. Three Days Grace - Break
22. Disturbed - Another Way to Die
... möglicherweise sie.
23. Velvet Revolver - "Fall to Pieces"
24. Staind - It's Been Awhile
25. Limp Bizkit - Rollin'
26. System of a Down - Toxicity
27. Tool - The Pot
28. Rage Against the Machine - Killing in the Name
29. Stone Sour - Through Glass

Cool Down (Heimweg)

29. Machine Head - Bite the Bullet
30. As I Lay Dying – Reinvention
31. Machine Head - White-Knuckle Blackout!

Fazit:

32. Dj Tomekk - Ich lebe für Hip-Hop

Genau!