Endlich mal selbst was relevantes bestimmen, wie lange haben wir darauf gewartet. Was dem mündigen Bürger in der realen Welt nur allzu oft verweigert wird, hier wird es nun Wirklichkeit. Demokratische Ideale halten ab heute Einzug in meine kleine digitale Welt und infolgedessen wird dem Leser nun die Art von partizipatorischer Gestaltungsmacht an die Hand gegeben, die er verdient. Konkret heißt das: natürlich nur in kleinem Rahmen und natürlich nicht so richtig frei, sondern mit Vorgaben (quasi die Stützräder des kleinen Wählers), aber immerhin: mit Kreuzchen, Auszählung und all dem folkloristischen Kram, der es fast echt wirken lässt. Ich lebe hier ja auch in einer fast richtigen Demokratie...
Nachdem Icke in Uganda vor wenigen Monaten die visuelle Revolution in Form von erschütterndem Bildmaterial erlebt hat, steht nun der nächste Quantensprung ins Haus. Und wie jeder Umsturz hat auch dieser Coup de blog seinen ganz eigenen Hintergrund (Stichwort: „Pfadabhängigkeit“). Doch lest selbst:
Männer, die auf Ziegen starren...
Ich hege ich schon seit geraumer Zeit einen heimlichen Traum. Bisher habe ich immer versucht, mein Sehnen diesbezüglich zu verdrängen und weiterzumachen wie bisher, doch wer mich kennt, ahnte es schon lange: ich will nicht mehr allein durchs Leben schreiten. Ich bin auf der Suche nach Verantwortung, Treue und fester Bindung. Ich will geliebt werden und meinem Leben eine Sinn geben. Ich will eine feste Partnerschaft und gesetzte Verhältnisse. In Uganda hieße das in meinem Alter: ich will heiraten. In Deutschland heißt das hingegen: ich will ein Haustier. Kann man sich gegen seine Herkunft wehren?
| Ziegenkolonne |
Eines der schönsten Dinge in einen Entwicklungsland ist die Fülle an coolen Haustieren, die man sich relativ problemlos zulegen kann. Während zuhause schon eine Katze beim Vermieter anzumelden ist und mindestens fünf zusätzliche Seiten voller Haftungsausschlüsse, Ruhezeiten und Garantieansprüche im Mietvertrag mit sich bringt, schert sich in Uganda kein Mensch darum, ob ich mir ein Hühnchen im Badezimmer halte, meinen Ochsen in die Auffahrt stelle oder meinen Truthahn in den Kofferraum lege. Aber all diese zugegebenermaßen nützlichen Gefährten des Menschen verblassen gegen den echten Engel der Gassen Kampalas: die Ziege.
| Kühe beim Kopfball |
Die wahren Wappentiere Ugandas erfüllen mannigfaltige Aufgaben: sie regeln den Verkehr und schaffen Freiräume für ansonsten hoffnungslos unterlegene Passanten („Ziegenstreifen“), sie ersetzen, ähnlich dem Hahn auf dem Land, im städtischen Raum den Wecker (für Eingeweihte: „Morgenmeckern“, auch manch verheirateter Leser mag das kennen) und sie leben dem gestressten westlichen Modernisierungsopfern vor, wie wohl die wahre Erfüllung unseres Daseins aussehen soll. Einen Tag Ziege sein dürfen, das hieße üppig dargebotene Bananenblätter schmausen, den ganzen Tag mit den Freunden in trauter Runde abhängen und bei Langeweile die in der Nachbarschaft angesiedelten anverwandten Paarhufer zu einem Fußballmatch herausfordern. Genau so muss das Paradies für diejenigen unter uns aussehen, die ihre Bestimmung erfüllt haben. Müsste ich raten, würde ich sagen, der Himmel ist eine Weide voller Ziegen.
| Gruppenkuscheln |
Ist die Ziege ein Bote Gottes, geschickt, um uns verlorenen Seelen die Schönheit des einfachen Lebens vor Augen zu führen? Ich für meinen Teil denke, man kann durch die Beobachtung der Ziegen nur für die Zukunft lernen und wir sollten schon auf Erden kräftig üben, um später nicht total zu versagen. Und ist es dann nicht unsere gottgegebene Pflicht, diesen Gesandten des Himmels ihr Dasein auf Erden so erquicklich als möglich zu gestalten? Ich jedenfalls will meine eigene Ziege ins Trockene bringen und mir so meinen Platz auf den grünen Auen der Ewigkeit sichern. Zicklein Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, gib mir deinen Frieden.
Daher hat sich der vorauschauende Hirte in mir entschlossen, nun den Träumen auch Taten folgen zu lassen. Meine ureigene Ziege muss her und zwar schnell. Dazu fehlen mir im Grunde nur zwei Dinge. Zum einen braucht meine Ziege einen Stall. Das regele ich mit handwerklichem Geschick und meinen Freunden in Uganda. Zum anderen braucht meine Ziege einen Namen. Und das regelt ihr, liebe Lesefrösche, mittels der Umfrage rechts von hier, auf dass auch euch ein Anteil an der verheißungsvollen Zukunft zuteil werde.
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| Wer bin ich? |

Diemal lässt du ja keinen Kalauer aus! Außerdem: Dass die Abstimmung noch 371 Tage dauert, lässt mich an der Ernsthaftigkeit deines Planes zweifeln. Zieh es durch! Und "Christian Ziege" bitte nur, wenn die Ziege wirklich sehr hässlich ist.
AntwortenLöschenMartin
Gratulation zu den wirklich immer wieder sehr erheiternden Blog-Beiträgen!
AntwortenLöschenViele Grüße
Arndt
Wieder mal ein schöner Beitrag.
AntwortenLöschenSolltest mal darüber nachdenken, diese druckreifen Geschichten Tageszeitungen anzubieten, damit du Christian auch was bieten kannst.
Lieber Martin,
AntwortenLöschenbei nochmaligem Lesen stelle ich fest, dass du recht hast. Das humoristische Niveau ist für jemanden, der sich über den Gebrauch des Wortes "Route" königlich amüsiert, natürlich viel zu niedrig. Ich werde wohl in Zukunft nur noch Mario-Barth-Fans zu den Lesern dieses Blogs zählen dürfen. Die finden die Kalauer wahrscheinlich hinreichend unterhaltsam.
Ziegen sind im Übrigen generell keine Schönheiten, fürchte ich. Aber was den Plan angeht: die Konstruktionszeichnungne für den Stall sind bereits ausgefertigt. Am Sonntag geht's los.
Lieber Arndt,
dankeschön.
Chère Mathieu,
du solltest um solche Zeiten arbeiten und nicht mein Blog lesen. Dennoch einen herzlichen Dank, leider sind meine Vermarktungsstrategien nicht genügend entwickelt, um diesem Ansinnen nachzukommen. Aber du kannst das gerne übernehmen und den Manager mimen, so du dich dazu berufen fühlst. Ich lasse dir freie Hand.
Ich hab mich mal der Sache angenommen, auch wenn ich eigentlich im Bett liegen sollte um mich auszukurieren ;)
AntwortenLöschenVielleicht kommt ja was bei rum. Und wie es sich für einen anständigen Manager gehört erkläre ich dir gleich nochmal die Konditionen:
15% gehen an den Autor und
85% an den Manager (mich) ;)
Schön, schön. Internetdemokratie, Graswurzeln, Ziegen. - Du machst also Deine Arbeit und trittst auch außerhalb dieser für die demokartischen Werte ein. Nebenbei: Wird man in Uganda dann auch so oft abstimmen dürfen, wie man will?
AntwortenLöschenAnsonsten möchte ich vor einer zu engen Bindung an "das Meckernde" warnen: Es könnte zu Schwierigkeiten im Flugzeug kommen, falls Du sie mit nach Hause nehmen willst...
Das steht doch wohl außer Frage,hoffe ich: Die Ziege muss mit.Die bekommen wir hier auch noch durch und wenn du in deinem Zimmer etwas Platz machst,dann kann sie ja hinter dem Vorhang wohnen,was meinst du?
AntwortenLöschenLiebste Grüße
Luise