Ssaawa satu ez'okumakya nsoma oluganda – Um neun Uhr morgens lerne ich Luganda
| "Ekibiina", nicht zu verwechseln... |
Wenn man mal erlebt hat, wie schön das Leben nach der Schule ist, will man eigentlich nicht wieder dahin zurück. Klar, es gab auch interessante Lehrer und sinnvolle Fächer, aber vieles wurde einem durch diesen ganzen pädagogisch anspruchsvollen Unterbau verleidet. Man erinnere sich nur an all die enervierenden Neuheiten, die den Schulalltag eines durchschnittlichen deutschen Jugendlichen im letzten Jahrzehnt zu einer Herausforderung für Geduld und Manieren gemacht haben. Ständig mussten grundlegendste soziale Fähigkeiten (für alle Fans des innovativen Ausdrucks: soft skills) entweder in Rollenspielen oder beim gemeinsamen Blaubeersammeln unter Beweis gestellt, neuronales Multitasking an der Mindmap demonstriert und Kritikfähigkeit in der Feedbackrunde geschult werden.
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| ..."ekibina", einem nicht ganz so tollen Hintern |
In Gruppenarbeiten wurde der Wert der eigenen Milieuprägung erkannt, auf Ausflügen der Blick für die große weite Welt der Landwirtschaft geöffnet und in Schreibgesprächen auch schon mal die eigene Sexualität tiefenpsychologisch gewinnbringend erklärt. All diese alternativen Lernmethoden, ursprünglich nur gedacht zur Folter ganztägig verknackter Walddorfschüler, hielt leider im Zuge irgendeiner kruden Wende in der Bildungspolitik Einzug ins Curriculum aller deutschen Lehramtsstudenten. Die hatten dann nichts besseres zu tun als auch die anderen bisher verschonten Schulzweige auf diese modernen Methoden der Talenterweckungsbemühungen einzuschwören.
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| Abfragerunde! |
Daher ein Hoch auf Uganda und sein Bildungssystem. Neumodische Schülerbeteiligungsformen à la „Demokratische Schule“ werden in meinem Lugandakurs zurecht nur als zeitverschwenderischer Unfug abgetan. In einem ugandischen Klassenraum (“ekibiina“) herrscht noch eiserne Hierarchie und so frönt man hier noch den guten alten Tugenden des Frontalunterrichts: Disziplin, Höflichkeit und Schweigen. Nichtsdestotrotz ist aber auch hier der Unterricht nicht frei von Spannung, Spaß und wichtigsten Lebensweisheiten, womit sich wieder bestätigt, was wir alle schon immer wussten: es kommt nicht auf die Lehrmethoden an, sondern auf den Lehrer und das Fach.
Mein Lehrer ist ein Meister in der Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Wer aufmerksam zu folgen vermag, dem eröffnen sich aus dem im Laufe nur einer einzigen Woche gesammelten Zitatenschatz Erkenntnisse, die anderen ein Leben voller Forschung und Beobachtung nicht zu bieten vermag. So bin ich endlich darüber aufgeklärt worden, dass,
Kräuterkunde / Aufklärungsunterricht die ugandische Küche ihre Zutaten in der Absicht aussucht, bestmögliche Fertilität unter der männlichen wie auch weiblichen Bevölkerung zu erzeugen,- die ugandische Ehe ihre alleinige Erfüllung in der Nutzung ebensolcher Fertilitätspotentiale findet,
- das Ziel einer 12-köpfigen Familien auf Grund von Nahrungs- und Landüberfluss eine sinnvolle Investition in die ugandische Zukunft darstellen,
- Polygamie angesichts eines Frauen-Männer-Verhältnisses von 10:3 eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellt,
- HIV von westlichen Mächten entwickelt wurde, um die aufkommende ugandische Weltherrschaft zu verhindern,
- die Afrikaner eben gerne schnackseln.
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| Gastkommentatorin Gloria |
(Expertenmeinung von Fr. Gloria von Thun und Taxis: „Dass die mehr schnackseln, hat mit den klimatischen Bedingungen da unten zu tun.“)
Neben der personalen Komponente ist Luganda auch als Fach eine einzige Freude, denn es ist eine Sprache für Genießer: wer Spaß an grammatikalischer Verwirrung, kulturellen Absonderlichkeit und amüsanten linguistischen Kleinoden hat, der wird diese Sprache zu schätzen wissen. Alle anderen hören nur die unfassbar fremden Worte und Klänge, doch deren Sinn bleibt ihnen auf ewig verborgen.
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| Katunkuma: ein ugandisches Potenzmittel |
Meine ganz persönliche Faszination fürs Lugandische als Sprache, wenn nicht gar als Lebensgefühl, speist sich aus zwei Quellen. Zum einen bewundere ich die linguistisch begründbare Verachtung für alles, was die Emanzipation so mit sich gebracht haben. Nicht nur, dass das Wort für verheiratet sein („mufumbo“) vom Kochen („okufumba“) kommt, nein es gilt auch, entgegen aller Unkenrufe: sex matters, zumindest im Lugandischen. Männer können heiraten („okuwasa“), ´Frauen hingegen werden verheiratet („okufumbirwa“). Die Begriffe für Bruder und Schwester erhalten ihre Bedeutung durch das Geschlecht des Sprechers („muganda wange“ bzw. „mwannyinaze“), Bruder und Schwester können auf Grund grammatikalischer Gesetzmäßigkeiten keinen gemeinsamen Vater haben. Alles in allem ein erfrischender Abgesang auf westliche Gender-Mainstreaming-Bemühungen. Als bugandischer Sexist weiß man wenigstens noch die sprachliche Tradition hinter sich.
| Klassisches Tafelbild |
Zum anderen mag ich Herausforderungen. Alltagsluganda erschließt sich nur selten so einfach wie im Falle seiner offenkundigen Lehnwörter „ssente“ (Geld), „emmotoka“ (Auto) oder „assim“ (Handy). Die meisten Worte sind ungefähr so eingängig wie „emasannyalaze“ (Elektrizität) oder „wooteri ey'emiwendo emisaamusaamu“ (ein billiges Restaurant). Es ist also ein Sprache für Könner, denn neben dem ungewöhnlichen Vokabular beansprucht es auch die Stimm- und Artikulationsfähigkeiten in nie gekannter Weise, so dass nur äußerst japanophilen Ostafrikabesuchern bei Begriffen wie „eky'okunywa“ (Getränk) schier das Herz übergeht, kommen ihnen solche herrlichen Zungenbrecher spielend leicht über die Lippen. Allen ungelenkigen Kieferartisten wie z.B. meiner Wenigkeit steht die Erfragung der Getränkekarte erst nach einem rhetorikkurswürdigen Aussprachetrainingsmarathon offen. Aber dann ist man richtig stolz drauf, wenn man erfährt, dass es sogar Fruchtwein aus der Dose gibt...
| Wer den Witz findet, darf ihn behalten... |




"Die Begriffe für Bruder und Schwester erhalten ihre Bedeutung durch das Geschlecht des Sprechers"
AntwortenLöschen?: versteh ich nicht
!: na ja, es hängt davon ab odb du männlich oder weiblich bist
männlich: bruder = muganda wange
schwester = mwannyinaze
bist du weiblich: schwester = muganda wange
bruder = mwannyinaze
Mir scheint, dass es bei euch keinen ordentlichen Tafeldienst gibt. Aber auch das mag ja eventuell in den unteren Klassen unserer heimischen Schulen überbewertet worden sein.
AntwortenLöschen"Spaß an grammatikalischer Verwirrung, kultureller Absonderlichkeit und amüsanten linguistischen Kleinoden" - schöner könnte der Autor kaum beschreiben, was einen dazu bringt, Linguistik zu studieren. Dass einem diese Lust abhanden kommt, wenn man in der Schule, statt ordentlich seine Lateingrammatik auswendig zu lernen, seine Zeit damit vertan hat, beim Gruppenkuscheln mit Anfassen den Schulgottesdienst vorzubereiten, liegt auf der Hand. Oder doch nicht? Beißt sich die Schlange am Ende wieder in den Schwanz? Bricht sich die bei Heidelbeerenpflücken sublimierte Sexualität wieder ihre Bahn bei der Entwicklung eines libidinösem Verhältnisses zum Luganda selbst? Dann doch lieber mal offenherzig eine sexistische grammatische Konstruktion an den Mann bringen, um die ehemals unterdrückten nationalen Sprachen zum Zeichen der Emanzipation von den ehemaligen Kolonialmächten zu fördern. Afrika Bambaata! "You want another rap?" - "Yes ssebo!"
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