Mittwoch, 8. September 2010

Fußball ist wie Eiskunstlauf...
wer die meisten Tore schießt, gewinnt. Hat ein kluger, ziemlich dicker Mann und bekannter Manager einer Werkself aus Nordrhein-Westfalen mal gesagt. Die Wahrheit dieser Worte lässt sich für den Unkundigen nur schwer fassen, dennoch versucht sich die kommende Trilogie genau daran: die Gründe einer global auffindbaren Leidenschaft für ein kugelförmiges Sportgerät aufzuzeigen, die auch icke in Uganda mehrfach erleben durfte.

Im kleinen Rahmen
Weil in Kampala Erstsemsterpartys der renommierten Makere University ein gesellschaftliches Muss für jeden ambitionierten Bildungsfreund darstellen, lasse auch ich es mir nicht nehmen, diesem freitagabendlichen Highlight beizuwohnen. Dabei muss mich natürlich die dreihundert Meter lange Warteschlange im Eingangsbereich kein bisschen schrecken, die von beflissenen Polizeileuten durch die obligatorische Taschen- und Ausweiskontrolle auf der Suche nach umtriebigen Attentätern und minderjährigen Spaßkonsumenten verursacht wird. Als Weißer hat man da samt Gefolge einen Freifahrtschein und wird von selbigem sowieso schnell und gekonnt durchgeschleust, solange man seine Bombe zufälligerweise zuhause vergessen hat und für alle legalen Aktivitäten alt genug scheint. Nachdem ich dann zur Freude der örtlichen Behörden noch in einem Anfall pazifistischer Gesinnung eine Schrotflinte durch Grobmotorik und mangelnde Fuß-Augen-Koordination funktionsuntüchtig gemacht habe, bin ich auch schon drin und kann mich getrost dem Treiben einer bereits um 9:00 Uhr stark alkoholisierten Menge von anwesenden Freshman und deren Begleitungen hingeben.
Für die Bildfetischisten: ein Packung echte ugandische Sportzigaretten

Nach einer kurzen Orientierungsphase ist das Objekt meiner Begierde ausgemacht: in einer Traube von schwitzenden und frenetisch jubelnden Menschen steht das, wonach ich nun schon drei Wochen ununterbrochen gesucht habe und auf dessen Existenz ich schon nicht mehr zu hoffen wagte – ein Kickertisch, alt und klapprig zwar, aber funktionstüchtig und bereit, von kundigen Händen seiner Bestimmung zugeführt zu werden: den nur erträumten fußballerischen Fähigkeiten auf dem großen Feld zumindest im kleinen Rahmen nahezukommen. Für 500 ugandische Schilling (unverschämte 15 Euro-Cent) bin ich der nächste Herausforderer und natürlich lässt es sich der Besitzer dieses herrlichen Gebrauchsgegenstands nicht nehmen, sich mir persönlich entgegenzustellen. Die erste Überraschung folgt dann aber noch vor Anpfiff, denn das vorhandene Gerät verfügt entgegen aller DIN- und ISO-Normen nur über einen Zweimannsturm, dafür wird die Abwehr auf drei Verteidiger aufgemotzt, um den Bemühungen der Angreifer Einhalt zu gebieten. Weitere unerwartete Ereignisse bleiben allerdings aus, denn entgegen meiner Befürchtungen hat man hier von kontrolliertem Kurzpassspiel noch nie etwas gehört, es wird vielmehr das dem englischen Kick'n'Rush entlehnte Gekurbel bevorzugt. Nichts für Filigrantechniker also, aber dazu zähle ich mich ja auch nicht. Eher Brechstange mit gelegentlichen Passausflügen. Das Spiel endet nach einer eher lahmen Eingewöhnungsphase und einigen meiner hingestümperten Tricks 10:1 für mich, damit bin ich nun der Herr dieses Tisches. Die Menge ist sichtlich beeindruckt und schreit nach härteren Gegnern. Wer wäre dafür besser geeignet als der erst kürzlich unter fünfhundert Teilnehmern ausgespielte Unichampion? Ehe ich weiß, wie mir geschieht, steht selbiger zusammen mit meiner Wenigkeit und dem benötigten Mobiliar mitten auf der eben noch äußerst belebten Tanzfläche. Natürlich lässt es sich der herbeigeeilte Moderator nicht nehmen, eine campusweit hörbare und jedem Marktschreier zur Ehre gereichende Ankündigung des sich anbahnenden sportlichen Highlights zu tätigen, so dass sich die uns umringende Zuschauerschar binnen kürzester Zeit vervielfacht.
Das Match beginnt, schnell liegt der Champion 2:0 in Führung und meine Abwehrreihe ist der nun notwendig gewordenen etwas robusteren Behandlung nicht mehr gewachsen und zerlegt sich in ihre Bestandteile. Die Wettquoten auf meinen Sieg sinken schlagartig und ich sehe mich schon mit gesenktem Haupt von dannen schleichen ob der zu erwartenden schmachvollen Niederlage. Doch es kommt anders: vom Siegeswillen und unbedingten Ehrgeiz übermannt reißt mein Torwart das Heft an sich, erzielt fünf Treffen in Folge und übernimmt das Kommando über jeden sich entwickelnden Angriff seiner Kameraden, was die gesamte Mannschaft zu Höchstleistungen motiviert. Unter den Augen ihrer verletzt am Spielfeldrand herumliegenden Manndeckerkameraden kombinieren sich Mittelfeld und Sturm in einen Rausch, dem der amtierende Unichampion letztlich nichts mehr entgegenzusetzen hat und mit 10:2 nach Hause geschickt wird. Das Spiel ist aus, die Menge tobt und ich mache mich an der Hand meiner Begleiter aus dem Staub, bevor der nun hysterisch kreischende Moderator meiner habhaft werden kann. Auf die lauthals angekündigte ehrenhafte Kür zum neuen Champion der Universität kann ich nämlich getrost verzichten. Mein Studentenausweis ist außerdem kürzlich abgelaufen.

6 Kommentare:

  1. Mein heutiger Abend sollte auch im Zeichen des Kickers stehen, versank dann aber doch in Club Mate-Vodka. Keine glorreichen Siege, keine entthronten Champions und entsprechend auch keine Story darüber, wie geil ich bin. Aber die lieferst du ja. Weiter so!

    Maddin

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  2. Naja, war halt so, was soll man machen? Ich würde eher sagen, die haben ungefähr noch nie vorher einen Kicker angefasst und ihren Champion eben ausgekurbelt... War jetzt zugegebenermaßen keine besondere Kunst, da zu gewinnen. Aber schön, dass du auch noch des nächtens pöbeln kommst.

    Besonders gut gefällt mir auch der Facebooklink zu dem Blog: http://www.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fickeinuganda.blogspot.com%2F&h=2d23f

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  3. Never win the changing Team!

    NF

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  4. Wer pöbelt denn hier? Ich finde die Geschichte super! Kam wohl nicht so rüber, du Sack!

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  5. Irgendwie hat mich die Bildunterschrift noch lange beschäftigt, also habe ich mal zum Thema "Sportzigarette" nachrecherchiert.
    Eine schöne Definition samt empfehlenswerter Synonymliste gibt es hier:
    http://www.sprachnudel.de/woerterbuch/sportzigarette
    Aber auch im deutschen Profifußball ist die Sportzigarette nicht unbekannt:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,70210,00.html

    Sehr schön ist jedenfalls Deine Fußball-Trilogie (ohne o!). Ich bin gespannt wie ein Vollspann, was Dein nächster Artikel berichtet. Dich grüßt

    Johannes

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  6. Ha, ich wußte schon vorher um die Bedeutung des Wortes und zwar aus dem bekannte Liedtext "Susanne zur Freiheit" von Fischmob & Allstars:

    "hut ab das geht ja gut ab
    wenn ihr wie wir vom hier und jetzt genug habt -
    freßt 'n stück nougat macht euch locker
    lutscht am lolli wie kojak -
    denn we're hittin' the road jack -
    wir machen party von hier bis italien
    hol mal zwei bacardi-cola ich zahl' die denn
    packe meine koffer nehm' ein manga mit
    und einen tanga-slip das sind die tollsten hosen
    'ne babuschkapuppe, mein schnuffeltuch,
    'ne palette holsten-dosen und 'ne fette sportzigarette
    denn hast du haschisch in der blutbahn
    dann kannst du rappen wie ein wu-tang -"

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