Buli lunaku ntera okusoma oluganda!
Ich gehe wieder zur Schule. Seit drei Wochen wohne ich nun in Namasuba, um der vorherrschenden Verkehrssprache Zentralugandas Herr zu werden. Dem nicht enden wollenden Strom von Besuchern dieser digitalen Publikation wird aus diesem Grund ein weiteres Schmankerl aus meinem überwältigend spannenden Leben gegeben, denn es folgt hier der erste Teil eines Tagesprotokolls meines typischen Schultags.
Ssaaw'emu ey'okumakya nzuukuka.
| Hier lausche ich der Stimme Gottes... |
Es ist 1:00 Uhr morgens und mein Wecker klingelt. In Uganda gehen die Uhren nämlich gänzlich anders und damit meine ich nicht die Zeitverschiebung. Wie die alten Römer beginnt für einen echten Uganda wie mich der Tag um null Uhr mit dem Sonnenaufgang. Wenn ich mich also um diese Zeit aus meinem moskitonetzbedingten Himmelbett erhebe, bin ich nicht etwa zu einer vampiresken Lebensweise übergegangen, sondern passe mich nur den örtlichen Gegebenheiten an. In diesem Fall heißt das also, die Uhr neu lesen lernen und von der eigenen Zeitrechnung sechs Stunden subtrahieren.
| ... und hier kommt sie her. |
Erwacht bin ich aber leider schon zwei Stunden früher, denn die meinem neuen zuhause gegenüberliegende Born-again-Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gott praktisch unaufhörlich für seine allgegenwärtige Güte und Freigebigkeit zu danken. Weil der aber oft so schlecht hört, wurde zur Sicherheit die gefühlt lauteste Soundanlage Ugandas in einem akustisch gewöhnungsbedürftigen Backsteinbau installiert, so dass als wunderbarer Nebeneffekt auch die gesamte Nachbarschaft an den leidenschaftlichen Lobpreisungen des Herrn respektive der Verdammung aller irrgeleiteten Sünder teilhaben kann bzw. muss.
| Es ist übrigens jeden Tag Freitag |
Die „World Possesors Church International“ (Internationale Kirche des Erdinhabers) hat zudem ihre einladend weiten Tore in Richtung meines kleinen Schlafzimmers geöffnet und in konsquenter Verfolgung des eingen Auftrags werden diese natürlich auch niemals geschlossen. So dringen die tiefschürfend-missionarischen Botschaften jeder Chorprobe, jeder Predigt und jeden Treffens der anonymen Alkoholiker bis in mein Schlafzimmer und ich werde jeden Tag wieder von der minderen Qualität des einheimischen Oropaximitats überzeugt. Daher liege ich also schon seit geraumer Zeit regen Geistes im Bett und versuche krampfhaft herauszufinden, wofür dieses Werkzeug des Allmächtigen mich eigentlich allmorgendlich so straft. Vielleicht bin ich auch nur zu ignorant und das sind diese Erweckungserlebnisse, von denen man im Gespräch mit überzeugten Evangelikalen und Pfingstlern immer so viel hört. Warum die einen allerdings dazu verleiten sollen, selbst Teil dieses frommen Fernmeldedienstes zu werden, bleibt mir da schleierhaft.
Ssaaw'emu ne ddikika assatu ey'okumakya naaba mubiri ne nsenya ammanyo.
| Duschpforte |
Schlurfenden Schrittes begebe ich mich infolgedessen aus meinem kleinen Reich in die gegenüberliegende Dusche. Deren Pforte öffnet sich allerdings nur den Eingeweihten, denn die Klinke wurde aus mir unbekannten Gründen auf selbst für ugandische Verhältnisse unübliche Weise angebracht, nämlich von einem handwerklich leider eher mäßig begabten Meister des Kopfstandes. Mit einem kräftigen Zug nach oben überwinde ich jedoch bereits seit dem zweiten Tag gekonnt dieses Hindernis und kann mich nun der Säuberung meines noch schlafesmatten Körpers widmen. In stiller Meditation angesichts der nun bevorstehenden Prozedur beobachte ich den sich mit eiskaltem, doch leider nicht kristallklarem Wasser füllenden Eimer und zähle in Gedanken schon mal ab, welches meiner Beine zuerst in den Genuss der allmorgendlichen Kneippkur kommt.
| Ein echtes Einkaufsparadies |
Kaum fünf Minuten später habe ich diesen eher unerfreulichen Teil des Tages hinter mich gebracht und kann mich daran machen, die Zähne mit dem letzten Rest deutscher Zahnpasta zu schrubben, der mir geblieben ist. Ich fürchte mich schon vor der nächste Woche anstehenden Umstellung auf eine der ugandischen Produkte aus dem indischen Supermarkt. Wie ich in meiner zugegebenermaßen leider etwas zu kleinen Stichprobe von zwei einheimischen Gemischen habe feststellen können, ähnelt das durchschnittliche ugandische Zahnpflegeprodukt in Konsistenz wie Geschmack einer Mischung aus Hubba-Bubba mit Apfel-Geschmack und der bekanntesten milden Bleiche ohne Chlor – Acè – nur eben wahrscheinlich doch mit Chlor und irgendwie fester. Im Ergebnis also eine blöselige Masse, die ebenso gut zum Reinigen eines Autoreifens wie zum Schuhe putzen geeignet ist. Zumindest bleibt sie in Teilen auf der Bürste kleben, damit man nicht alles im Mund verteilen muss. Das wird ein Spaß...
| Ein typischer Zahnpastavertreter in seinem natürlichen Revier - dem Überlandbus nach Jinja |
Ich habe ja gehört, dass es gut sein soll, alle paar Wochen die Zahnpastamarke zu wechseln. Und besser als garnicht putzen, wird es schon auch sein.
AntwortenLöschenUnd wenn ich jeden Morgen von lauter Gottesscheiße geweckt würde, alter Schwede...Vielleicht solltest du noch vor denen aufstehen. Verrückte Idee. Dann würdest du es DENEN so richtig ZEIGEN.
Morton
Keine Ahnung, warum der Link bei manchen Bildern nicht existiert, bin jetzt auch zu faul, den einzufügen. Will man diese Photos trotzdem in größerer Ausführung sehen, einfach rechtsklicken, Bild öffnen und dann in der Adresszeile statt "s200" "s1600" einfügen, schon erscheint das Photo in der von mir hochgeladenen Größe.
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