Ssaaw'emu ne ddikik'ana ne ttano ey'okumakya nalamusa mwami n'omukyala *******...
Ausschweifende Begrüßungsrituale sind in Uganda gang und gäbe. Unabhängig davon, ob oder wie gut und lange man sich kennt, gebietet es die Höflichkeit, allmorgendlich nicht nur nach der verbrachten Nacht zu fragen („Wasuze otyanno ssebo / nyabo?“) und die Freude über das „unerwartete“ Zusammentreffen zu bekunden („Nsanyuse okukulaba!“), sondern sich auch der Gesundheit der Familie („Abeka bali batya?“), der Eltern („Taata wo bulungi? Maama wo bulungi?"), der Freunde („Mike bulungi?“) sowie eines friedlichen Herkunftsortes („Eradde?“) zu versichern. So verbringe ich einen Teil meiner knapp bemessenen Morgenstunden mit der scheinbar endlosen Wiederholung der formelhaften Antworten („Gyendi!“ - „Nange nsanyuse okukulaba!“ - „Bali bulungi!“ - „Kitange bulungi!“ - „Mwange bulungi!“ - „Mike bulungi!“ - „Eradde!“) und der notwendigen Gegenfragen, die sich glücklicherweise meist auf ein „Mpozzi ggwe?“ beschränken, und in angemessenen Tonfall, d.h. üblicherweise überschwänglich bis hysterisch, zu erwidern sind. Dann wird dem auskunftsfreudigen Muzungu freundlicherweise natürlich auch für die bisher geleistete, unermüdliche Arbeit des noch jungen Tages gedankt („Weebale mirimu ssebo!“), wodurch zumindest klar ist, dass der Gegenüber sich der Anstrengungen eines derartigen Small Talks sehr wohl bewusst zu sein scheint. Was ihn aber nicht davon abhält, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das gute Benehmen wiederum im Zuge dieser scheinbar endlosen Litanei auf die Probe zu stellen. Schließlich könnte sich ja am nächsten Morgen schon wieder ein ganz anderes Bild der eigenen Lebensumstände ergeben haben. So bringt die segensreiche Kenntnis der lugandischen Sprache gleichzeitig den Fluch der Notwendigkeit zu quasi sisyphosartiger Geduld mit sich, zumindest wenn man den damit verbundenen Austausch von persönlichen Befindlichkeiten nicht als Teil der eigenen Kultur begreift.
Bevor ich mich also zum Frühstück begeben kann, haben zumindest Mister und Misses ********, ihre jüngste Tochter, drei bis fünf Enkelsöhne, das Hausmädchen sowie eventuelle Gäste sich meines Wohlergehens versichert und nach meinen immer gleichen Plänen für den Tag (Antwort: „Njja kugenda ku CLC kusoma oluganda.“) erkundigt. In seltenen Ausnahmefällen beinhalten diese jedoch auch abendliche Kuriositäten wie Wäschewaschen („Akawungeezi njja kuyoza engoye.“), bügeln („Njja kugolola.“) oder Fußball schauen („Njja kulaba mupiira ku sportsbar ne Mike.“), die je nach Aktivität Verblüffung, Hilfsangebote oder Beileidsbekundungen nach sich ziehen. Am Ende dieses frühmorgendlichen Fragemarathons bin ich vollkommen gerädert und erinnere mich kopfschüttelnd an eine dieser offenkundig global gesehen nicht repräsentativen Studien, nach der Menschen im Durchschnitt nur 16000 Worte pro Tag sprechen. Uganda müsste demnach voll von Taubstummen, Eremiten und Mönchen mit Schweigegelübde sein, die aber leider alle woanders wohnen und meinen Weg leider praktisch niemals kreuzen. Wie schön es dann aber wohl wäre, sich der gegenseitigen Zurkenntnisnahme nur mit einem freundlichen Nicken zu versichern...

