Montag, 16. August 2010

Vorbemerkung: Alle Personen des folgenden Textabschnitts sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig.

Let The Names Begin

Naomi, Rebecca, Eve, Richard, Ruth, Francis, Gallo, Innocent, Esra, Daniel, Samuel, Asim, Gabriel, Damasco, Molly, Timothy, Kenneth, Betty, Sarah, Mike, Barbara, Samulanka, Moses, Benjamin, Josef, Godfrey, Eirin, Vincent, Hope, Joy und etliche andere haben sich mir innerhalb der letzten Tage mehr oder minder freiwillig vorgestellt. Weil sich insbesondere biblische Vorbilder großer Beliebtheit erfreuen, wohnen auch nicht selten Daniel, Daniel und Daniel Tür an Tür. Mehrfachnennungen sind also nicht auszuschließen, so dass mittlerweile, grob überschlagen, ungefähr fünfzig Personen ziemlich genau wissen wie ich heiße. Ich kann das umgekehrt leider nur von wenigen mit Sicherheit sagen und hier beginnt mein Leidensweg. Mein Namensgedächtnis war zwar schon immer verhältnismäßig schlecht, aber hier erreicht dieser traurige Mangel an kognitiven Fähigkeiten einen erschreckenden Höhepunkt. Ich habe wirklich alles versucht: imaginäre Namensschildchen („Innocent“), Lagepläne mit Treffpunkt, Datum und Uhrzeit („Jingar Road, 13.08.10, 17:21 Uhr, Timothy), findige Eselsbrücken („Moses war der mit den fünf Büchern unterm Arm!“), antizipiertes Verhalten bei Kennenlernspielen („Gabriel könnte keinen auf den Platz rechts von sich wünschen, da wäre nämlich nichts mehr frei.“). Es hat alles nichts genutzt. Ich musste einsehen, dass es schlicht unmöglich ist, mir auf die Schnelle beizubringen, was ich die letzten zweieinhalb Dekaden kopfmäßig zu trainieren versäumt habe: eine verlässliche Verbindung von Gesicht und Personenbezeichnung. Daher begnüge ich mich jetzt mit dem Zufallsprinzip: bei allen mir nur flüchtig bekannten Personen wähle ich aus dem stetig wachsenden Pool von möglichen Vornamen einen aus und hoffe, dass es der richtige ist. Verfeinerte Teilmengen, die ich beispielsweise aus dem Umstand gewinne, wenigstens in den meisten Fällen sicher zu wissen, welches Geschlecht wohl angebracht wäre, verringern die Anzahl an Möglichkeiten zwar schon erheblich, trotzdem ist die Erfolgsquote erschreckend gering. Denn bisher liege ich mit dieser Taktik leider trotzdem immer so offenkundig daneben, dass ich mich wohl damit abfinden muss, als leicht beschränkter Muzungu abgestempelt zu werden, der sich selbst so simple Dinge wie Vornamen nicht merken kann. Um dieses vorschnelle Urteil zumindest abzumildern, bin ich dazu übergegangen, mir ein breites Repertoire an Entschuldigungen für diese offenkundige Unzulänglichkeit zuzulegen („Das liegt bei uns in den Genen: mein Vater wusste auf dem Standesamt auch nicht mehr, ob das jetzt mein Vor- oder Nachname sein soll“, „Ich habe leider oft den Namen meiner Freundin vergessen, jetzt hilft mir dieses schnittige Tattoo im Intimbereich“, „Ich bin als Kind mal vom Gerüst gefallen, seitdem bin ich auf dem linken Ohr taub und das Erinnerungsvermögen ist auch beeinträchtigt“, „Namen sind Schall und Rauch, ich lege mehr Wert auf den Charakter“). Diese vermögen den Gegenüber in solch peinlichen Momenten zielsicher abzulenken. Man muss eben lernen, mit seinen Handicaps zu leben, das ist auf lange Sicht auch weniger zeitaufwändig.

5 Kommentare:

  1. Lieber B.,
    Ein schönes dramatis personae! Aber wann kommt die erste Szene? Oder haben Deine Leser_innen zuvor noch eine Szenenbeschreibung zu erwarten? Es könnte zu diesem Zwecke hilfreich sein, mit photographischem Material zu arbeiten!
    Was die Namen-Gesichter-Korrelation angeht: Vermutlich lässt sich das trainieren. Im Grunde ist es ja nichts anderes als Vokabeln zu lernen. Oder fällt es Dir eher schwer, die Gesichter wiederzuerkennen und auseinanderzuhalten? Dann spielen die Gesichterneuronen offenbar noch nicht so richtig mit...
    Wie dem auch sei: Ich warte voller Freude auf eine Fortsetzung dieses Schreibprojekts!
    Johannes

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  2. ...dramatis personae, photographisches Material, Namen-Gesichter-Korrelation, Gesichterneuronen, Schreibprojekt

    "ich bin Johannes!"

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  3. '"Ich bin Johannes!"'

    "Ich bin Martin!"

    NF

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  4. Hier könnte ja mal wieder was passieren!

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  5. Muzungu, muzungu! Erzähl mehr von dieser merkwürdige Sprache.

    Johannes

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