Donnerstag, 16. Dezember 2010

Gute Tage, schlechte Tage

Vorbemerkung: man beachte auch die Auflösung des Bilderrätsels in den dazugehörigen Kommentaren.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

8:04 Uhr
Ich komme im Büro an, besser: davor. Es ist abgeschlossen, nur Jaqueline* steht schon vor der Tür. Jaqueline ist die Putzkraft und gleichzeitig die Köchin und somit verantwortlich für die Größe meiner Mittagsportion. Ich bin immer ausgesprochen freundlich zu ihr. Ich rufe Cindy* an. Sie ist Mädchen für alles bei uns, ist aber leider mit dem Election Caravan in Richtung Jinja, 100 km nördlich von Kampala, unterwegs und rät mir zu warten.

8:33 Uhr
Ich erreiche endlich Ronnie*, einen unserer Buchhalter. Der hat zwar einen Schlüssel, ist aber leider gera­de im 350km entfernten Mbarara, um eine Feldstudie durchzuführen. Er verspricht, Kevin*, den zweiten Buchhalter, anzurufen. Dessen Nummer habe ich nämlich nicht.

Hinter den Kulissen... 
8:57 Uhr
Sheila*, eine der Projektmanagerinnen, kommt zum Büro. Sie hat zwar nicht die Nummer von Kevin, ruft aber Sven*, den Exekutiv Director und Chef des Büros an. Der ist zwar eigentlich im Urlaub, rückt aber nach kurzen Verhandlungen die Nummer von Kevin raus. Ich leihe mir Stühle beim Büro nebenan aus.

9:25 Uhr
Kevin ist auf dem Weg. Sein Bruder ist schwer krank und benötigt Pflege, deshalb wollte er eigentlich nicht ins Büro kommen, weil er dachte, Marco, der Programmmanager, würde das Büro öffnen. Erstens hat Marco aber gar keinen Schlüssel und zweitens ist der heute auf der Hochzeit seiner drittjüngsten Schwester und kommt folglich gar nicht ins Büro.

9:52 Uhr
Kevin kommt an und ich verteile Brötchen, die ich während der langen Wartezeit im Supermarkt erstanden habe und die nun mit bestelltem afrikanischem Tee verzehrt werden. Ich starte meine heutige Arbeit an der Website und lese erst mal vier Berichte Korrektur, bevor ich sie online stelle. Dabei muss ich sieben Wörter im Wörterbuch nachschauen, weil Sven immer wahnsinnig elaboriertes Englisch benutzt. Dann baue ich stundenlang an der Menüführung und dem Layout.
Ein großer Sprung nach langem Marsch?

11:23 Uhr
Ein Wahlkonvoi irgendeiner Partei passiert die Straße vor dem Büro. Die Arbeit im Büro wie auch auf der Straße steht still und es entbrennen wilde Diskussionen über die verschiedenen Präsidentschaftskandidaten. Ich tue meine Sympathie für den Kandidaten der DP kund, weil ich ich seinen Namen eingängig finde. Nur die Farbe passt irgendwie nicht.

12:22 Uhr
Chantal*, die zweite Projektmanagerin, platzt in unseren Bürobereich, bietet mir Bananenchips an, klärt mich über den besten Bäcker in Wandegeya auf, fragt mich, wie man eine Googlegroup eröffnet und zerstört zum wiederholten Male beim Versuch, die zweite Schublade meines Schreibtisches zu öffnen, deren Griff. Ich bekomme einen Lachanfall.

13:19 Uhr
Jaqueline bringt mir mein Mittagessen. Das besteht aus Omucere (Reis), Matooke (Bananenbrei), Lumonde (Süßkartoffel) und Kawo (Erbsen). Wir diskutieren vier Minuten über die richtige Kochdauer für Nudeln. Jaqueline hält acht Minuten nicht für ausreichend und veranschlagt stattdessen dreißig. Ich prophezeie ihr meine Weigerung, den so hergestellten Brei zu essen und wir einigen uns darauf, dass Nudeln nicht in den Bürospeiseplan passen. Sie zeigt mir zudem, wie man Grashüpfer frittiert.

Aktenberge 
14:42 Uhr
Mike*, unser anderer IT-Fach­mann, und Roger*, der dritte Projektmanager im Bunde, bestürmen mich gleichzeitig mit dringenden technischen Problemen unterschiedlicher Tragweite. Während Mike von mir eine Meinung zur Konfiguration des Servers verlangt, wovon ich nicht den Hauch einer Ahnung habe und das auch kundtue, will Roger von mir gezeigt bekommen, wie man bei Excel Zellen verschmelzen kann. Ich fühle mich wahnsinnig nützlich und kläre ihn dahingehend auf.


16:02 Uhr
Mein Modem fällt zum dritten Mal an diesem Tag aus, so dass ich keinen Zugriff auf die Website mehr habe. Ich beschließe, vier dringende Telefonate hinsichtlich der anstehenden Aktivitäten im Zweitjob zu führen und mir Toms neuste unglückliche Liebesgeschichte anzuhören.

17:54 Uhr
Ich bereite mich darauf vor, nach hause zu gehen. Sheila, Chantal und Roger arbeiten noch an ihren Projektanträgen. Ich hingegen werde heute noch meine Vorschlag für die Flyer nach Kawempe bringen und nehme deshalb ein Boda (Motorrad). Das ist eigentlich nur was für Lebensmüde, aber ich bin in Eile. Manchmal fühlt sich mein Aufenthalt in Uganda an wie eine Daily Soap.

* Name vom Verfasser verändert.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Club Steak Out

Lumumba Avenue, Kampala

Every Thursday: Rock Night!

So wurde es mir zumindest mit der Absicht, mich in die Untiefen des kampalischen Nachtlebens einzuführen, vollmundig angekündigt. In meinem zwar wenig musikfixierten dennoch nicht ganz teilnahmslosen Vorstellungsvermögen formte sich eine Auswahl möglicherweise zu erwartenden Liedguts, das in seiner Zusammenstellung irgendwo zwischen Wunschdenken und einer realistischen Auswahl von wohl nicht zu vermeidendem Rock-Hit-Gedöns rangiert. Insgesamt ungefähr nach dem gleichen Motto wie bei Christiano Ronaldo im Fitnessstudio: faster, harder, stronger als alles, was gewöhnlicherweise so (in Uganda) angesagt ist.
Wie es wirklich war, wieviele meiner Voraussagen in mehr als anderthalb Stunden Beschallung wirklich eingetroffen sind, welche Perlen der jüngeren Musikgeschichte den Weg in mein Ohr gefunden haben, all das kann jetzt jeder mit nur wenigen Klicks selbst erkunden:


Warm-up

Yeah! Ray Charles lebt...
1. Bon Jovi - Livin' on a Prayer
2. Stone Temple Pilots - Interstate Love Song
3. Nickelback - How You Remind Me
4. OPM - Stash Up
5. Foreigner - Urgent
6. Survivor - Eye of the Tiger
7. Godsmack - I Stand Alone
8. Linkin Park - Breaking the Habit
9. R.E.M. - Losing My Religion

Rock it!

...und er hat dahinten was geseh... äh, "entdeckt"...
10. Queen – We will rock you!
11. Audioslave - Show me how to live
12. Collective Soul - Heavy
13. Static X - Cold
14. Creed - Higher
15. Metallica - I Disappear
16. Nirvana – Smells like teen spirit
17. Korn - Let's Get this Party Started
18. Red Hot Chili Peppers - Californication
19. Aerosmith - Livin' on the Edge
20. Papa Roach - Lifeline
21. Three Days Grace - Break
22. Disturbed - Another Way to Die
... möglicherweise sie.
23. Velvet Revolver - "Fall to Pieces"
24. Staind - It's Been Awhile
25. Limp Bizkit - Rollin'
26. System of a Down - Toxicity
27. Tool - The Pot
28. Rage Against the Machine - Killing in the Name
29. Stone Sour - Through Glass

Cool Down (Heimweg)

29. Machine Head - Bite the Bullet
30. As I Lay Dying – Reinvention
31. Machine Head - White-Knuckle Blackout!

Fazit:

32. Dj Tomekk - Ich lebe für Hip-Hop

Genau!

Montag, 29. November 2010

Bilderrätsel: Was mag das sein?

Fern der Heimat begegnet einem Seltsames allenthalben. Mannigfaltig sind die Wunder, die der schwarze Kontinent zu bieten hat. Auch wenn Kampala nur selten durch die erhofften fremdartigen Klänge von traditionellem Gesang, erschreckendem Löwengebrüll oder imposantem Elefantengetröte zu bestechen weiß, sondern das Ohr des meist unfreiwilligen Zuhörers stattdessen eher mit profaner Popmusik, eindringlichen Polizeisirenen oder inbrünstigen Gospelchören verwöhnt, so finden sich doch nichtsdestotrotz allerlei augenfällige und häufig auch visuell haltbar zu machende Kuriositäten, die den unwissenden Bazungu zu hause wohl allerlei Rätsel aufgeben. So wie die Folgenden zum Beispiel:

  1. Neulich im Taxi
Wozu dient laut Hersteller folgendes Federvieh?

  
a) eine ugandische Vogelscheuche
b) das Maskottchen der Ugandan Church of Life
c) ein typisches Erntedankopfer

  1. Auf freiem Feld
Was mag wohl dieses Photo zeigen?


a) die einzige FKK-Liegewiese Kampalas
b) ein durchaus herausfordernder Golfplatz
c) ein ugandisches Autokino

  1. Shopping Mall
Worum handelt es sich bei folgendem Unternehmen?

 
a) eine wenig umweltbewußte Tankstelle
b) die einzige staatliche Müllverbrennungsanlage Kampalas
c) ein brandneues Tourismusbüro

  1. Außerirdisches
Wozu dient eigentlich folgende Vorrichtung?


a) als Testaufbau der Lichtanlage für die nächste Outdoor-Technoparty im Club 5
b) als Zuchtanlage für ein Pflanze namens Rababaku
c) als Heuschreckenfalle

  1. Ugandische Kultur
Was präsentiert die junge Dame auf folgendem Bild?


a) einen Gouda aus örtlicher Herstellung
b) eine traditionelle Frischhaltefolie
c) ein bugandisches Erdnusssieb


Liebe Lesefrösche, fühlt euch also berufen an Icke in Ugandas großem Bilderrätsel teilzunehmen. 
Der Leser mit den meisten richtigen Antworten bekommt vom Verfasser eine ganz persönliche, echt ugandische Weihnachtspostkarte (soll ja bald so weit sein, hab ich gehört), so ich denn die Adresse weiß oder in Erfahrung bringen kann! 

Einfach die vermutlich richtigen Antworten mit Namen als Kommentar posten. Einsendeschluss ist der 12.12.2010. Der ugandische Rechtsweg steht jedem, dem es das wert ist, offen, nehme ich an.


Montag, 15. November 2010


Endlich mal selbst was relevantes bestimmen, wie lange haben wir darauf gewartet. Was dem mündigen Bürger in der realen Welt nur allzu oft verweigert wird, hier wird es nun Wirklichkeit. Demokratische Ideale halten ab heute Einzug in meine kleine digitale Welt und infolgedessen wird dem Leser nun die Art von partizipatorischer Gestaltungsmacht an die Hand gegeben, die er verdient. Konkret heißt das: natürlich nur in kleinem Rahmen und natürlich nicht so richtig frei, sondern mit Vorgaben (quasi die Stützräder des kleinen Wählers), aber immerhin: mit Kreuzchen, Auszählung und all dem folkloristischen Kram, der es fast echt wirken lässt. Ich lebe hier ja auch in einer fast richtigen Demokratie...

Nachdem Icke in Uganda vor wenigen Monaten die visuelle Revolution in Form von erschütterndem Bildmaterial erlebt hat, steht nun der nächste Quantensprung ins Haus. Und wie jeder Umsturz hat auch dieser Coup de blog seinen ganz eigenen Hintergrund (Stichwort: „Pfadabhängigkeit“). Doch lest selbst:

Männer, die auf Ziegen starren...

Ich hege ich schon seit geraumer Zeit einen heimlichen Traum. Bisher habe ich immer versucht, mein Sehnen diesbezüglich zu verdrängen und weiterzumachen wie bisher, doch wer mich kennt, ahnte es schon lange: ich will nicht mehr allein durchs Leben schreiten. Ich bin auf der Suche nach Verantwortung, Treue und fester Bindung. Ich will geliebt werden und meinem Leben eine Sinn geben. Ich will eine feste Partnerschaft und gesetzte Verhältnisse. In Uganda hieße das in meinem Alter: ich will heiraten. In Deutschland heißt das hingegen: ich will ein Haustier. Kann man sich gegen seine Herkunft wehren?

Ziegenkolonne
Eines der schönsten Dinge in einen Entwicklungsland ist die Fülle an coolen Haustieren, die man sich relativ problemlos zulegen kann. Während zuhause schon eine Katze beim Vermieter anzumelden ist und mindestens fünf zusätzliche Seiten voller Haftungsausschlüsse, Ruhezeiten und Garantieansprüche im Mietvertrag mit sich bringt, schert sich in Uganda kein Mensch darum, ob ich mir ein Hühnchen im Badezimmer halte, meinen Ochsen in die Auffahrt stelle oder meinen Truthahn in den Kofferraum lege. Aber all diese zugegebenermaßen nützlichen Gefährten des Menschen verblassen gegen den echten Engel der Gassen Kampalas: die Ziege.


Kühe beim Kopfball 
Die wahren Wappentiere Ugandas erfüllen mannigfaltige Aufgaben: sie regeln den Verkehr und schaffen Freiräume für ansonsten hoffnungslos unterlegene Passanten („Ziegenstreifen“), sie ersetzen, ähnlich dem Hahn auf dem Land, im städtischen Raum den Wecker (für Eingeweihte: „Morgenmeckern“, auch manch verheirateter Leser mag das kennen) und sie leben dem gestressten westlichen Modernisierungsopfern vor, wie wohl die wahre Erfüllung unseres Daseins aussehen soll. Einen Tag Ziege sein dürfen, das hieße üppig dargebotene Bananenblätter schmausen, den ganzen Tag mit den Freunden in trauter Runde abhängen und bei Langeweile die in der Nachbarschaft angesiedelten anverwandten Paarhufer zu einem Fußballmatch herausfordern. Genau so muss das Paradies für diejenigen unter uns aussehen, die ihre Bestimmung erfüllt haben. Müsste ich raten, würde ich sagen, der Himmel ist eine Weide voller Ziegen.

Gruppenkuscheln
Ist die Ziege ein Bote Gottes, geschickt, um uns verlorenen Seelen die Schönheit des einfachen Lebens vor Augen zu führen? Ich für meinen Teil denke, man kann durch die Beobachtung der Ziegen nur für die Zukunft lernen und wir sollten schon auf Erden kräftig üben, um später nicht total zu versagen. Und ist es dann nicht unsere gottgegebene Pflicht, diesen Gesandten des Himmels ihr Dasein auf Erden so erquicklich als möglich zu gestalten? Ich jedenfalls will meine eigene Ziege ins Trockene bringen und mir so meinen Platz auf den grünen Auen der Ewigkeit sichern. Zicklein Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, gib mir deinen Frieden.


Daher hat sich der vorauschauende Hirte in mir entschlossen, nun den Träumen auch Taten folgen zu lassen. Meine ureigene Ziege muss her und zwar schnell. Dazu fehlen mir im Grunde nur zwei Dinge. Zum einen braucht meine Ziege einen Stall. Das regele ich mit handwerklichem Geschick und meinen Freunden in Uganda. Zum anderen braucht meine Ziege einen Namen. Und das regelt ihr, liebe Lesefrösche, mittels der Umfrage rechts von hier, auf dass auch euch ein Anteil an der verheißungsvollen Zukunft zuteil werde.


Wer bin ich?

Dienstag, 26. Oktober 2010



Ssaawa satu ez'okumakya nsoma oluganda – Um neun Uhr morgens lerne ich Luganda

"Ekibiina", nicht zu verwechseln...
Wenn man mal erlebt hat, wie schön das Leben nach der Schule ist, will man eigentlich nicht wieder dahin zurück. Klar, es gab auch interessante Lehrer und sinnvolle Fächer, aber vieles wurde einem durch diesen ganzen pädagogisch anspruchsvollen Unterbau verleidet. Man erinnere sich nur an all die enervierenden Neuheiten, die den Schulalltag eines durchschnittlichen deutschen Jugendlichen im letzten Jahrzehnt zu einer Herausforderung für Geduld und Manieren gemacht haben. Ständig mussten grundlegendste soziale Fähigkeiten (für alle Fans des innovativen Ausdrucks: soft skills) entweder in Rollenspielen oder beim gemeinsamen Blaubeersammeln unter Beweis gestellt, neuronales Multitasking an der Mindmap demonstriert und Kritikfähigkeit in der Feedbackrunde geschult werden.

..."ekibina", einem nicht ganz so tollen Hintern
In Gruppenarbeiten wurde der Wert der eigenen Milieuprägung erkannt, auf Ausflügen der Blick für die große weite Welt der Landwirtschaft geöffnet und in Schreibgesprächen auch schon mal die eigene Sexualität tiefenpsychologisch gewinnbringend erklärt. All diese alternativen Lernmethoden, ursprünglich nur gedacht zur Folter ganztägig verknackter Walddorfschüler, hielt leider im Zuge irgendeiner kruden Wende in der Bildungspolitik Einzug ins Curriculum aller deutschen Lehramtsstudenten. Die hatten dann nichts besseres zu tun als auch die anderen bisher verschonten Schulzweige auf diese modernen Methoden der Talenterweckungsbemühungen einzuschwören. 

Abfragerunde!
Daher ein Hoch auf Uganda und sein Bildungssystem. Neumodische Schülerbeteiligungsformen à la „Demokratische Schule“ werden in meinem Lugandakurs zurecht nur als zeitverschwenderischer Unfug abgetan. In einem ugandischen Klassenraum (“ekibiina“) herrscht noch eiserne Hierarchie und so frönt man hier noch den guten alten Tugenden des Frontalunterrichts: Disziplin, Höflichkeit und Schweigen. Nichtsdestotrotz ist aber auch hier der Unterricht nicht frei von Spannung, Spaß und wichtigsten Lebensweisheiten, womit sich wieder bestätigt, was wir alle schon immer wussten: es kommt nicht auf die Lehrmethoden an, sondern auf den Lehrer und das Fach.
Mein Lehrer ist ein Meister in der Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Wer aufmerksam zu folgen vermag, dem eröffnen sich aus dem im Laufe nur einer einzigen Woche gesammelten Zitatenschatz Erkenntnisse, die anderen ein Leben voller Forschung und Beobachtung nicht zu bieten vermag. So bin ich endlich darüber aufgeklärt worden, dass,
 
  1. Kräuterkunde / Aufklärungsunterricht
    die ugandische Küche ihre Zutaten in der Absicht aussucht, bestmögliche Fertilität unter der männlichen wie auch weiblichen Bevölkerung zu erzeugen,
  2. die ugandische Ehe ihre alleinige Erfüllung in der Nutzung ebensolcher Fertilitätspotentiale findet,
  3. das Ziel einer 12-köpfigen Familien auf Grund von Nahrungs- und Landüberfluss eine sinnvolle Investition in die ugandische Zukunft darstellen,
  4. Polygamie angesichts eines Frauen-Männer-Verhältnisses von 10:3 eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellt,
  5. HIV von westlichen Mächten entwickelt wurde, um die aufkommende ugandische Weltherrschaft zu verhindern,
  6. die Afrikaner eben gerne schnackseln.
Gastkommentatorin Gloria 

 (Expertenmeinung von Fr. Gloria von Thun und Taxis: „Dass die mehr schnackseln, hat mit den klimatischen Bedingungen da unten zu tun.“)

Neben der personalen Komponente ist Luganda auch als Fach eine einzige Freude, denn es ist eine Sprache für Genießer: wer Spaß an grammatikalischer Verwirrung, kulturellen Absonderlichkeit und amüsanten linguistischen Kleinoden hat, der wird diese Sprache zu schätzen wissen. Alle anderen hören nur die unfassbar fremden Worte und Klänge, doch deren Sinn bleibt ihnen auf ewig verborgen. 
Katunkuma: ein ugandisches Potenzmittel

Meine ganz persönliche Faszination fürs Lugandische als Sprache, wenn nicht gar als Lebensgefühl, speist sich aus zwei Quellen. Zum einen bewundere ich die linguistisch begründbare Verachtung für alles, was die Emanzipation so mit sich gebracht haben. Nicht nur, dass das Wort für verheiratet sein („mufumbo“) vom Kochen („okufumba“) kommt, nein es gilt auch, entgegen aller Unkenrufe: sex matters, zumindest im Lugandischen. Männer können heiraten („okuwasa“), ´Frauen hingegen werden verheiratet („okufumbirwa“). Die Begriffe für Bruder und Schwester erhalten ihre Bedeutung durch das Geschlecht des Sprechers („muganda wange“ bzw. „mwannyinaze“), Bruder und Schwester können auf Grund grammatikalischer Gesetzmäßigkeiten keinen gemeinsamen Vater haben. Alles in allem ein erfrischender Abgesang auf westliche Gender-Mainstreaming-Bemühungen. Als bugandischer Sexist weiß man wenigstens noch die sprachliche Tradition hinter sich.
Klassisches Tafelbild
Zum anderen mag ich Herausforderungen. Alltagsluganda erschließt sich nur selten so einfach wie im Falle seiner offenkundigen Lehnwörter „ssente“ (Geld), „emmotoka“ (Auto) oder „assim“ (Handy). Die meisten Worte sind ungefähr so eingängig wie „emasannyalaze“ (Elektrizität) oder „wooteri ey'emiwendo emisaamusaamu“ (ein billiges Restaurant). Es ist also ein Sprache für Könner, denn neben dem ungewöhnlichen Vokabular beansprucht es auch die Stimm- und Artikulationsfähigkeiten in nie gekannter Weise, so dass nur äußerst japanophilen Ostafrikabesuchern bei Begriffen wie „eky'okunywa“ (Getränk) schier das Herz übergeht, kommen ihnen solche herrlichen Zungenbrecher spielend leicht über die Lippen. Allen ungelenkigen Kieferartisten wie z.B. meiner Wenigkeit steht die Erfragung der Getränkekarte erst nach einem rhetorikkurswürdigen Aussprachetrainingsmarathon offen. Aber dann ist man richtig stolz drauf, wenn man erfährt, dass es sogar Fruchtwein aus der Dose gibt...
Wer den Witz findet, darf ihn behalten...



Freitag, 8. Oktober 2010

Ssaawa biri ez'okumakya ndya ekyenkia - Um 8 Uhr morgens frühstücke ich! 
   
Herrentisch mit Priesterbild
Ich betrete das Wohn- und Esszimmer, um mich der allmorgendlichen Nahrungsaufnahme zu widmen. Als Ehrengast meiner Familie speise ich nach gut ugandischer Sitte gewöhnlich zumindest morgens allein am großen Esstisch, der aber auch sonst nur dem Oberhaupt der Familie, Mr. ******* und seiner Frau zu Diensten ist. Alle anderen Bewohner des Grundstücks werden zum Verzehr ihrer Mahlzeiten an den Katzentisch abgeschoben. Dieser steht symbolischerweise auch in der zwei Meter tiefer gelegenen Küche, die jedoch ansonsten nur zur Erwärmung der außerhalb des Haupthauses zubereiteten Speisen dient. Die werden sonst auf dem langen Weg hin zu meinem Platz natürlich ungenießbar kalt. Als Gast darf ich im Haushalt natürlich keinen Handschlag tun, sondern muss mir antriebslos den Arsch hinterhertragen lassen. Das gelingt mir ziemlich gut, manchmal allerdings bin ich rebellisch und räume den Tisch ab, wenn gerade keiner hinsieht. Schlimm!
Ein überreiches Mahl
Frühstück in meiner Gastfamilie besteht grundlegend immer aus schön süßem Brot („ebigaati“) mit Magarine der Marke „Blue Band“ und afrikanischem, d.h. bereits mit Milch aufgegossenen Tee („caayi). Je nach Versorgungssituation kommen dann noch geschnittene Ananas („ennannasi nsalasala“), Papaya („hab ich vergessen“), gekochte Eier aus eigener Zucht („amagi amafumba“) oder selbige zu Omelett verarbeitet („amagi amasiike“) hinzu. Zur Sicherheit ist das ganze schön unter einem Fliegennetz drapiert, damit auch ja kein Ungeziefer an das gelegentlich von Ameisen zum Vorratskeller umfunktionierte Brot gelangen kann. Guten Appetit!
Kontaminiertes Brot?

Ssaawa biri ne ddikik'assatu ez'okumakya ntera kugenda ku CLC kusoma oluganda - Um 8:30 Uhr morgens gehe ich gewöhnlich ins CLC, um Luganda zu lernen!

Namasuba wie es leibt und lebt
Ich verlasse mein vorübergehendes Heim in Richtung Bunamwaya „City Language Centre“ (unter uns hippen Freunden eingängiger Abkürzungen auch nur CLC genannt). Der Name ist aber hier leider nicht Programm, denn weder „City“ noch „Centre“ sind angemessene Bezeichnungen für die vorzufindenden Gegebenheiten. Die Metropole Bunamwaya zeichnet sich vor allem durch ihre nichtssagende Verschlafenheit gepaart mit dörflicher Langeweile aus, während das vermeintliche Centre auf Grund von Ausstattung und Lage daheim bestenfalls als Umkleidekabine oder Geräteschuppen dienen würde. Ich sehe ja ein, dass „Volkshochschulkurs Luganda im Vereinslokal Bunamwaya Kuhdorf“ irgendwie wenig geschäftsfördernd klingt, aber es wäre doch schon näher an der Wahrheit.

Ein bisschen Abenteuerurlaub
Hier geht's nach Bunamwaya
Mein Schulweg vermittelt eigentlich einen wunderbaren Eindruck ugandischer Lebenswirklichkeit: rote Erde, herumstreunende Tiere und jede Menge Kinder säumen den Pfad hin zum Ort meiner täglichen Beschäftigungstherapie. Dabei steht zunächst ein kleiner Gang durch Namasuba Down-Town an, bevor ich die gediegene Großstadtatmosphäre verlassen muss und den Schleichweg Richtung Bunamwaya einschlage: eine Wasserstelle, zwei Brücken und einen Fußballplatz später führt er mich entlang der dem aufmerksamen Leser bereits bekannten Kosmetikfabrik der Firma „Mov**“, deren unverzichtbare Errungenschaften ganz Ostafrika bzw. seine Bewohner ansehnlicher machen. Zudem hat man sich auch der Landschaftspflege verschrieben und taucht die nahegelegenen Bäche unter dem Motto "Unser Dorf soll schöner werden" mittels eigens dafür herangeschaffter Abwässer in herbstlich neonbunte Farben, so dass es eine wahre Pracht ist, dieses Naturschauspiel zu bewundern. Photos darf man aber verständlicherweise davon nicht machen, da werden die örtlichen Wachmannschaften ganz schnell böse. Auch zukünftige Besucher sollen sich ja von diesem Dienst an der Gemeinschaft noch überrascht zeigen können.
Rote Wege, rote Türme
Move it!

Schul- und Lernknast Bunamwaya
Schließlich führt mich dieser Pfad der Tugend dann doch endlich auf die Hauptstraße zwischen Zana und Nyanama und ich kann mich wieder der Begutachtung der einheimischen Kleiderordnung widmen. Wenn ich dann am Horizont das CLC erspähe, die einladenden Gitter vor den Fenstern erkenne und die schon geöffnete Pforte zu neuen Weisheiten sehen kann, dann weiß ich, es ist geschafft: ein halbstündiger Fußmarsch liegt hinter mir, ein spannender Schultag vor mir. Ob sich das gelohnt hat, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Was uns verbindet...

Montag, 27. September 2010

Ssaaw'emu ne ddikik'ana ne ttano ey'okumakya nalamusa mwami n'omukyala *******...

Ausschweifende Begrüßungsrituale sind in Uganda gang und gäbe. Unabhängig davon, ob oder wie gut und lange man sich kennt, gebietet es die Höflichkeit, allmorgendlich nicht nur nach der verbrachten Nacht zu fragen („Wasuze otyanno ssebo / nyabo?“) und die Freude über das „unerwartete“ Zusammentreffen zu bekunden („Nsanyuse okukulaba!“), sondern sich auch der Gesundheit der Familie („Abeka bali batya?“), der Eltern („Taata wo bulungi? Maama wo bulungi?"), der Freunde („Mike bulungi?“) sowie eines friedlichen Herkunftsortes („Eradde?“) zu versichern. So verbringe ich einen Teil meiner knapp bemessenen Morgenstunden mit der scheinbar endlosen Wiederholung der formelhaften Antworten („Gyendi!“ - „Nange nsanyuse okukulaba!“ - „Bali bulungi!“ - „Kitange bulungi!“ - Mwange bulungi!“ - Mike bulungi!“ - „Eradde!“) und der notwendigen Gegenfragen, die sich glücklicherweise meist auf ein „Mpozzi ggwe?“ beschränken, und in angemessenen Tonfall, d.h. üblicherweise überschwänglich bis hysterisch, zu erwidern sind. Dann wird dem auskunftsfreudigen Muzungu freundlicherweise natürlich auch für die bisher geleistete, unermüdliche Arbeit des noch jungen Tages gedankt („Weebale mirimu ssebo!“), wodurch zumindest klar ist, dass der Gegenüber sich der Anstrengungen eines derartigen Small Talks sehr wohl bewusst zu sein scheint. Was ihn aber nicht davon abhält, bei jeder sich bietenden Gelegenheit das gute Benehmen wiederum im Zuge dieser scheinbar endlosen Litanei auf die Probe zu stellen. Schließlich könnte sich ja am nächsten Morgen schon wieder ein ganz anderes Bild der eigenen Lebensumstände ergeben haben. So bringt die segensreiche Kenntnis der lugandischen Sprache gleichzeitig den Fluch der Notwendigkeit zu quasi sisyphosartiger Geduld mit sich, zumindest wenn man den damit verbundenen Austausch von persönlichen Befindlichkeiten nicht als Teil der eigenen Kultur begreift.
Bevor ich mich also zum Frühstück begeben kann, haben zumindest Mister und Misses ********, ihre jüngste Tochter, drei bis fünf Enkelsöhne, das Hausmädchen sowie eventuelle Gäste sich meines Wohlergehens versichert und nach meinen immer gleichen Plänen für den Tag (Antwort: „Njja kugenda ku CLC kusoma oluganda.“) erkundigt. In seltenen Ausnahmefällen beinhalten diese jedoch auch abendliche Kuriositäten wie Wäschewaschen („Akawungeezi njja kuyoza engoye.“), bügeln („Njja kugolola.“) oder Fußball schauen („Njja kulaba mupiira ku sportsbar ne Mike.“), die je nach Aktivität Verblüffung, Hilfsangebote oder Beileidsbekundungen nach sich ziehen. Am Ende dieses frühmorgendlichen Fragemarathons bin ich vollkommen gerädert und erinnere mich kopfschüttelnd an eine dieser offenkundig global gesehen nicht repräsentativen Studien, nach der Menschen im Durchschnitt nur 16000 Worte pro Tag sprechen. Uganda müsste demnach voll von Taubstummen, Eremiten und Mönchen mit Schweigegelübde sein, die aber leider alle woanders wohnen und meinen Weg leider praktisch niemals kreuzen. Wie schön es dann aber wohl wäre, sich der gegenseitigen Zurkenntnisnahme nur mit einem freundlichen Nicken zu versichern...

Aus deutscher Sicht eine zumindest grenzwertige Begrüßungsform

Montag, 20. September 2010

Buli lunaku ntera okusoma oluganda!

Ich gehe wieder zur Schule. Seit drei Wochen wohne ich nun in Namasuba, um der vorherrschenden Verkehrssprache Zentralugandas Herr zu werden. Dem nicht enden wollenden Strom von Besuchern dieser digitalen Publikation wird aus diesem Grund ein weiteres Schmankerl aus meinem überwältigend spannenden Leben gegeben, denn es folgt hier der erste Teil eines Tagesprotokolls meines typischen Schultags.

Ssaaw'emu ey'okumakya nzuukuka.

Hier lausche ich der Stimme Gottes...
Es ist 1:00 Uhr morgens und mein Wecker klingelt. In Uganda gehen die Uhren nämlich gänzlich anders und damit meine ich nicht die Zeitverschiebung. Wie die alten Römer beginnt für einen echten Uganda wie mich der Tag um null Uhr mit dem Sonnenaufgang. Wenn ich mich also um diese Zeit aus meinem moskitonetzbedingten Himmelbett erhebe, bin ich nicht etwa zu einer vampiresken Lebensweise übergegangen, sondern passe mich nur den örtlichen Gegebenheiten an. In diesem Fall heißt das also, die Uhr neu lesen lernen und von der eigenen Zeitrechnung sechs Stunden subtrahieren.
... und hier kommt sie her.
Erwacht bin ich aber leider schon zwei Stunden früher, denn die meinem neuen zuhause gegenüberliegende Born-again-Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gott praktisch unaufhörlich für seine allgegenwärtige Güte und Freigebigkeit zu danken. Weil der aber oft so schlecht hört, wurde zur Sicherheit die gefühlt lauteste Soundanlage Ugandas in einem akustisch gewöhnungsbedürftigen Backsteinbau installiert, so dass als wunderbarer Nebeneffekt auch die gesamte Nachbarschaft an den leidenschaftlichen Lobpreisungen des Herrn respektive der Verdammung aller irrgeleiteten Sünder teilhaben kann bzw. muss. 
Es ist übrigens jeden Tag Freitag
Die „World Possesors Church International“ (Internationale Kirche des Erdinhabers) hat zudem ihre einladend weiten Tore in Richtung meines kleinen Schlafzimmers geöffnet und in konsquenter Verfolgung des eingen Auftrags werden diese natürlich auch niemals geschlossen. So dringen die tiefschürfend-missionarischen Botschaften jeder Chorprobe, jeder Predigt und jeden Treffens der anonymen Alkoholiker bis in mein Schlafzimmer und ich werde jeden Tag wieder von der minderen Qualität des einheimischen Oropaximitats überzeugt. Daher liege ich also schon seit geraumer Zeit regen Geistes im Bett und versuche krampfhaft herauszufinden, wofür dieses Werkzeug des Allmächtigen mich eigentlich allmorgendlich so straft. Vielleicht bin ich auch nur zu ignorant und das sind diese Erweckungserlebnisse, von denen man im Gespräch mit überzeugten Evangelikalen und Pfingstlern immer so viel hört. Warum die einen allerdings dazu verleiten sollen, selbst Teil dieses frommen Fernmeldedienstes zu werden, bleibt mir da schleierhaft.

Ssaaw'emu ne ddikika assatu ey'okumakya naaba mubiri ne nsenya ammanyo.

Duschpforte
Schlurfenden Schrittes begebe ich mich infolgedessen aus meinem kleinen Reich in die gegenüberliegende Dusche. Deren Pforte öffnet sich allerdings nur den Eingeweihten, denn die Klinke wurde aus mir unbekannten Gründen auf selbst für ugandische Verhältnisse unübliche Weise angebracht, nämlich von einem handwerklich leider eher mäßig begabten Meister des Kopfstandes. Mit einem kräftigen Zug nach oben überwinde ich jedoch bereits seit dem zweiten Tag gekonnt dieses Hindernis und kann mich nun der Säuberung meines noch schlafesmatten Körpers widmen. In stiller Meditation angesichts der nun bevorstehenden Prozedur beobachte ich den sich mit eiskaltem, doch leider nicht kristallklarem Wasser füllenden Eimer und zähle in Gedanken schon mal ab, welches meiner Beine zuerst in den Genuss der allmorgendlichen Kneippkur kommt.
Ein echtes Einkaufsparadies
Kaum fünf Minuten später habe ich diesen eher unerfreulichen Teil des Tages hinter mich gebracht und kann mich daran machen, die Zähne mit dem letzten Rest deutscher Zahnpasta zu schrubben, der mir geblieben ist. Ich fürchte mich schon vor der nächste Woche anstehenden Umstellung auf eine der ugandischen Produkte aus dem indischen Supermarkt. Wie ich in meiner zugegebenermaßen leider etwas zu kleinen Stichprobe von zwei einheimischen Gemischen habe feststellen können, ähnelt das durchschnittliche ugandische Zahnpflegeprodukt in Konsistenz wie Geschmack einer Mischung aus Hubba-Bubba mit Apfel-Geschmack und der bekanntesten milden Bleiche ohne Chlor – Acè – nur eben wahrscheinlich doch mit Chlor und irgendwie fester. Im Ergebnis also eine blöselige Masse, die ebenso gut zum Reinigen eines Autoreifens wie zum Schuhe putzen geeignet ist. Zumindest bleibt sie in Teilen auf der Bürste kleben, damit man nicht alles im Mund verteilen muss. Das wird ein Spaß...


Ein typischer Zahnpastavertreter in seinem natürlichen Revier - dem Überlandbus nach Jinja

Montag, 13. September 2010

In regionaler Ausführung
Entgegen den bisherigen Unkenrufen ist dieses Blog total lebendig und wahnsinnig informativ. Jetzt endlich auch in Farbe und voller nichtssagender Bilder: der versprochene zweite Teil der Trilogie! Wie jeder zweite Teil einer Triologie ist auch dieser hier ein echter (Durch-)Hänger. Also unbedingt dranbleiben!

Montag, 31. August 2010

Ein antike Müllverbrennungsanlage
Will man mit der einheimischen Bevölkerung jenseits der alltäglichen Transaktionstätigkeiten oder des obligatorischen Small-Talks über das Muzungudasein in Uganda in Kontakt kommen, bietet sich ein Besuch des örtlichen Sportplatzes an. Eingedenk dieser eigentlich global gültigen Weisheit begeben sich eines schönen Nachmittags zwei fußballbegeisterte Bazungu auf der Suche nach Spannung, Spiel und Fußballfeinkost auf den langen Marsch zum Namasuba Pitch. Vorbei an idyllischen Kosmetikfabriken, der örtlichen Müllkippe, die sich durch nichts von der übrigen Landschaft unterscheidet, und dem Local Research Center, das sich auf Fußmassagen und Hüftvergrößerungen spezialisiert hat, führt sie ein staubiger Trampelpfad hin zum Herzen des sportiven Gemeindelebens. Ihre Hoffnung auf ein unvergessliches Erlebnis sollten nicht enttäuscht werden.
Ugandische Versuchslabore
Man befindet sich bereits in den letzten Zügen der Vorbereitung auf den Höhepunkt der diesjährigen Local League. Vergesst Düsseldorf und Köln, vergesst Mainz und Wiesbaden, vergesst Villa Liba und Villa Bacho. Das Derby zwischen Bunamwaya und Namasuba treibt die erwartungsfrohen Massen aus dem Haus, um einmal mehr auf dem Fußballfeld die brennende Frage nach der regionalen Vorherrschaft zu beantworten. Während sich der FC Bunamwaya dabei aber nur der Unterstützung einer kleinen Anhängerschaft versichert sein darf, hat Namasuba pflichtgemäß beinahe das ganze, zugegebenermaßen nicht besonders große Dorf hinter sich versammelt. 
Am Einlass drängen sich die Massen
Auch unter den beiden Bazuungu sind die Präferenzen klar verteilt: in vollkommener Ignoranz des schon beim Aufwärmen offensichtlichen Klassenunterschieds zwischen beiden Teams setzt der bekannte Freiburg-Ultra ***** aka Mike seine Hoffnungen in die amateurhaften Stümper aus Bunamwaya, während der lokalpatriotische Fußballkenner ***** aka Mr. Bandit mit einem einzigen Kennerblick die Stärke seiner Heimmannschaft erkannt hat und Stein und Bein auf ihren Sieg schwört.
Namasuba Supporter
Nach nur kurzer Verzögerung, verursacht durch die zunächst unklaren Zahlungsmodalitäten für Schiedsrichter und Ligaleitung nimmt das Spiel seinen rasanten Verlauf. Die drückende Überlegenheit Namasubas scheint sich zunächst trotz gepflegten Kurzpassspiels und überwältigender Spielkontrolle nicht in Tore ummünzen zu lassen, bis nach zwanzig Minuten der erlösende Führungstreffen nach schöner Kombination über die rechte Seite fällt und die Menge kopfsteht. Augenblicke später ertönt zur Überraschung aller der Halbzeitpfiff, welcher dem zeitweise konditionell wie regelkundlich überforderten Schiedsrichtergespann Zeit zu Erholung und Gehaltszählung gibt. 
Namasuba Pep Talk
Die frenetisch feiernden Namasubaanhänger sind davon ebenso wie ihr Heimteam nicht zu beeindrucken und kaufen den überforderten Bunamwayern auch während der Pause durch perfekte Organisation von Erfrischungen den Schneid ab, während die Unterstützer letzterer schon vereinzelt den Heimweg antreten. Auch die zweite Halbzeit ändert nicht an dieser offensichtlichen Überlegenheit, so dass nach etlichen weiteren Chancen und einem weiteren Treffer Namasuba als Sieger aus dem ehrwürdigen Stadtderby hervorgeht und für das folgende Halbjahr die fußballerischen Kräfteverhältnisse zwischen beiden Orten wie zwischen den anwesenden Bazungu ins rechte Licht gerückt hat. Namasuba olé!


Bunamwaya beim Anstoß
Das Abendrot begleitet die zufriedenen Bewohner Namasubas